Beziehungen der Liebe

Im Leben der Menschen gehören Beziehungen zum wichtigsten Lebensgut, insbesondere, wenn sie liebevoll sind. Gibt es etwas Wichtigeres? Reichtum? Gesundheit? Erfolg? Für mich sind es die Beziehungen. Sie sind die Priorität in meinem Leben.
Doch das Beziehungsleben leidet. Schon lange. Seit Corona nun noch verstärkt.

Die einseitige Ausrichtung auf den materialistisch-rationalen Aspekt des Lebens reduziert auch das Beziehungsleben auf das Nützliche, Funktionale. Der Mensch wird zur Arbeitskraft, zum Verbraucher, zum Nutzbringer – zum Rollenträger.
Er neigt sogar dazu, sich der Maschine zu unterstellen.
Beziehungen, nach und nach auf das Funktionieren zu reduzieren, hat etwas Teuflisches an sich. Und dies geschieht verbreitet.

Seit Jahrhundert – oder gar seit Jahrtausenden hat sich der Mensch nach aussen und hierarchisch gesehen, nach oben orientiert, nicht aber nach innen und in die Tiefe (der Erde, der Seele).

Wir Menschen glauben DIE KRANKHEIT (aktuell Corona) mittels Hygiene, Abstand und Impfung zum Verschwinden bringen zu können, die Klimaerwärmung durch CO2-Abgaben, Frieden durch Sanktionen, etc.
Auch wenn die einzelnen Massnahmen nicht einfach falsch sein mögen, so sind sie doch extrem einseitig materialistisch gedacht – wenn man da überhaupt von Denken sprechen kann. Gibt es das Denken denn überhaupt noch, wenn man ihm die Häute von Intuition, Empfinden und Gefühl vom Leibe zieht?

Beziehungen sind gar nicht anders als ganzheitlich zu leben. Das gilt primär für zentrale Beziehungen wie Partnerschaften, Eltern-Kind und Freundschafts-Beziehungen. Da erfahren wir einfach, dass es uns als ganze Menschen braucht.

Der Beziehungs-Zwischenraum, da, wo der direkte, unmittelbare Austausch zwischen Menschen passiert, wird zunehmend okkupiert durch meist technische, digitale oder bio-technische Geräte. Algorithmen und Roboter, programmiert von einigen grauen Herren und Damen regulieren den zwischenmenschlichen Verkehr. Es gibt aber auch Worthülsen, ideologische Sprache, die sich, transportiert von Presse und Fernsehen, Denkfabriken und Geheimdiensten, sich in unseren Köpfen festgenistet haben. Ich nenne sie Gespenster.

Diese Gespenster und Geräte, aufgeladen mit künstlicher Intelligenz und Propaganda, bezwecken, in uns hinein zu wachsen und den Beziehungsraum, der eigentlich klar, hell, rein und leer sein müsste, zu vereinnahmen. Daran hat sich die menschliche Gesellschaft schon gewöhnt. Die Unterhaltungs-Industrie wird sich bedanken.

Wahre Beziehungen sind nicht manipulierbar. Sonst sind es keine.

Von der Dual-Union zur Trinität
Wenn zwei Menschen sich lieben, so bildet sich zwischen ihnen ein Beziehungsraum aus, der von Liebe erfüllt ist. Damit sich ein Liebesraum bilden kann, ist es nötig, dass vorerst dieser Zwischenraum frei von Erwartungen und Projektionen bleibt – und wenn solche doch auftauchen, sie reflektiert und verstanden werden von den Beteiligten, damit sie sich wieder auflösen (erlösen) können. Die Liebenden spüren im besten Falle, dass das Beziehungszentrum, das Herz, umfassendes Sein bedeutet, aus dem alles, auch die Verschiedenheit der sich Liebenden, hervorgeht. Der innerste Beziehungsraum ist demnach heilig. Daraus hervorgehend, erhält die Beziehung ihren Glanz. Es ist der unsterbliche Glanz der «Perle», über den nicht verfügt werden kann. Er ist unbegreiflich und geheimnisvoll.
Es gibt nun also drei «Personen»: der/die Liebende, der/die Geliebte und dazwischen die LIEBE. Wer genau hinsieht, stellt fest, dass schon im Anfangsstadium, der Phase der Verliebtheit, dieses Geheimnis abgezeichnet ist.
Die Liebe ist immer auch ein Prozess und eine Beziehung. Daher dynamisch. Die Liebe tanzt.

Der Liebes-Prozess ist ein schöpferischer. Aus ihm geht das Kind, das Neue, hervor. Das Neue wird aus Liebe geboren. Auch eine neue, tief erneuerte Gesellschaft wird aus Liebe geboren.

Dieses funktionale, auf Reduktion bedachte Denken – welches wahrscheinlich gar nicht als Denken bezeichnet werden darf, ist zweifellos nicht nur nicht geeignet, grosse verbreitete Probleme, wie eine Pandemie zu lösen, es ist schon gar nicht geeignet, die Menschheit zu vermenschlichen.
Diese erwächst aus dem Seelengrund der Erwachten, der Liebenden, der fei Atmenden und in Zuneigung zusammen Arbeitenden.

Wir brauchen nicht mehr Regeln, sondern eine erweiterte, ganzheitliche, integrale Sicht.
Die christlich-mystische Sichtweise, wie sie sich vor allem zwischen dem 11. Und 14. Jahrhundert in Europa ausbreitete, kann uns helfen, die Weite unseres Menschseins wieder zu öffnen. Transformation heisst für mich eine umfassende, in die Tiefe der Seele reichende Umwandlung und Erneuerung des menschlichen Bewusstseins.
Wir brauchen nicht mehr Rezepte, sondern innere Heilung.

Denn die alte, starre und enge Sicht hat uns die Katastrophen beschert, die uns nun bestimmen und betäuben.
Der Glaube an die Machbarkeit und Quantität bringt uns das freudlose Leben und lässt unsere Beziehungen verarmen.

Was wir benötigen ist, dass wir uns gegenseitig heilen und entsprechende Räume der Heilung und Wärme bauen: Heilungsbiotope, Heilkreise, Oasen der Liebe.

Die Heilung der Erde
Die Heilung der Erde beginnt damit, dass die Menschen (wieder) lernen, mit ihr in Beziehung zu kommen. Sie sprechen wieder mit ihr, einfühlsam, und sie tanzen zärtlich und behutsam auf ihr. Mitgefühl ist der Schlüssel zu wahrer, gefühlter Beziehung. Wie mit dem  Planeten als Ganzes, lernen wir auch mit seinen Geschöpfen in Beziehung zu kommen: den Tieren, den Pflanzen, den Elementen. Wenn wir eingreifen, und manchmal ist es nötig, dann behutsam und empathisch. Dadurch wird die Erde in eine höhere Schwingung kommen können und uns den Boden geben, uns zu entwickeln und zu vermenschlichen. Diese wird uns auf eine heilsame Weise, entschleunigen.

*

Der Stoff aus dem und mit dem wir arbeiten, fliesst aus den Liebesbeziehungen und den Perlen, die wir polieren bis sie glänzen.

Und die Perle, wir haben es gehört, ist das Dritte, die heilige Mitte, die immer auf das EINE verweist. Da, gleichsam über dem Dritten, der Flamme, der Perle, des Lichtherzes, wie immer es wir nennen wollen, öffnet sich der metaphysisch Beziehungsraum, der des kontemplativen Gebetes und der Meditation.

Ein Gedanke zu „Beziehungen der Liebe“

  1. Lieber Werner

    Danke für diesen schönen Text! Er fordert mich heraus, das Eine oder Andere aus einer anderen Sicht zu beleuchten.

    Beziehungen sind überhaupt ein Signum des Lebens. Leben ist Beziehung. Der Beziehungsbegriff kann nicht mit den Kategorien „wichtig“ oder „unwichtig“ beschrieben werden. Es ist wie wenn man sagen würde: Das wichtigste am Wasser ist, dass es flüssig ist… Leben ist aber auch ständiger Wandel: Daher unterliegt auch Beziehung ständigem Wandel. Alles was lebt, steht in wandelnder Verbindung und Beziehung (beide Begriffe bedürften natürlich einer genaueren Untersuchung): Physisch, seelisch, geistig und zwar horizontal zueinander aber auch vertikal zu den göttlich-geistigen Gebieten.

    Zum Beispiel wandeln sich Gefühle zwischen sich Liebenden wie sich auch die Natur im Zeitenkreis ändert. Das verwechseln dann viele mit: „Ich liebe Dich nicht mehr“, weil es vielleicht mit der Sexualität Veränderungen gab (es liegt ja oft an diesem Themenkomplex). In Wirklichkeit hat sich die Liebe vertieft in Vertrauen und Lebenshingabe und zugleich haben sich -wie „Unkräuter“- Gewohnheiten eingeschlichen, die das Edle und Essentielle der Liebe „überwucherten“. Es ist wie ein Garten, der ständig gepflegt sein will. Wenn man das nicht tun will, werden nach und nach alle schönen Blumen überwuchert und erwürgt… Ich kenne Menschen, die erst nach der Trennung erkannt hatten, dass sie den Menschen, den sie verliessen -oder der sie verliess- eben doch liebten. Aber dann ist es vorbei: Ende, Aus! Das sind sehr schmerzliche Erfahrungen.

    Von den Pflanzen über die Tiere zu den Menschen erhält das Beziehungsleben einen immer grösseren Grad von Freiheit:
    Pflanzen sind ganz in den Kosmos eingebunden, sie können nicht frei entscheiden, weil sie ganz Teil des Ganzen sind. Tiere sind schon freier. Ob man bei ihnen aber von wirklicher Entscheidungs-fähigkeit sprechen kann, wage ich zu bezweifeln, weiss es aber nicht genau. Ich weiss nur: Aufgrund der Wandelbarkeit, ändern sich diese Dinge. Es ist möglich, dass sich auch Tiere zu entscheidungsfähigen Wesen weiterentwickeln können. Alles entwickelt sich fort und fort.

    Du schreibst:
    „Doch das Beziehungsleben leidet. Schon lange. Seit Corona nun noch verstärkt.“

    Das Beziehungsleben hat sich über die Äoenen gewandelt. Beziehungen waren in den Zeiten vor dem Beginn des Patriarchates (ab ca. 2000 v.Chr.) mehr instinktiv gelebte. Weil die Menschen in einem anderen Bewusstsein standen, waren ihre Beziehungen andere, nicht so selbst-bestimmte. Gemeinschaften waren Thea- oder Theokratisch organisiert. Wann geliebt, gezeugt, gesät und geerntet usw. wird, wurde von „höherer Stelle“ beschlossen.
    Im Patriarchat erhält die Fremdbestimmung stark asoziale und unmenschliche Züge, weil die Ichheit stärker wird. Aber es bleibt bei der Fremdbestimmung, nur tinguiert durch stark gewalttätige und Herrscherartige Elemente. Beziehungsleben war einfach: Es unterlag -würde man heute sagen-Fremdbestimmung, was aber „normal“ war. Es wurde gar nicht als solches kategorisiert, man stand darin, eben instinktiv. Da gab es nichts zu hinterfragen.

    Mit dem Patriarchat beginnt im Grunde die eigentliche Ich-Entwicklung. Patriarchat ist die erste Phase der ICh-Entwicklung, nichts anderes. Und mit dem Christus-Jesus kam ein grosses hochentwickeltes Ich auf die Erde, das die Menschen auf ihren Liebesauftrag aufmerksam gemacht hat: Christus ist der Geist der Liebe! Hier wurde das Patriarchat bereits aufgehoben, als Keim einer zukünftigen Entwicklung!

    Durch das gesamte Mittelalter hindurch, waren Beziehung und Liebe zwischen Menschen etwas eher praktisch empfundenes, auf der Ebene von Abmachungen und persönlichem, zweckgebundenem und rational-logisch Tun begleitet: Stark empfindungsgemäss, weniger gedacht und begrifflich gefasst.

    Das hat sich seit dem 15. Jh. radikal geändert: Das Ich-Bewusstsein wird stark individualisiert, „abgeschnürt“, eigensinnig. Der Mensch beginnt abstrakt zu denken. Natur-Wissenschaft war möglich, aber nur materialistisch. In der Kunst wurden neue Dinge gemacht: Mehrstimmige kontrapunktische Musik, Perspektivische Darstellungen, Das menschliche Leben als Motiv. Portraits usw. Stilleben…Wohnbauetn werden immer wichtiger als Kunstobjekte, vorher waren es sakrale Bauten. Zugleich schnürt er sich völlig vom Geist ab. Das ist ein synonym laufender Prozess. Beziehung „leidet“ nicht etwa weil zuvor alles schön und ohne Leid abging: Weil der Mensch nun beginnt sein Sein begrifflich-.gedanklich -individuell- scharf zu fassen, ohne aus geistigen Quellen zu schöpfen, eigensinnig aus sich allein heraus, leidet er, wo vorher schicksalhaftes im göttlichen Sein eingebundenes Leben war, das man eben hinnahm.

    Nun will man nicht mehr hinnehmen. Man ist ja wer! Gott hat nichts mehr in unserem Leben zu suchen. Wir bestimmen es selbst. Und weil Leben eben Eigengesetzlichkeiten in sich trägt und wir es aufgrund unserer materialistischen Abschnürung gar nicht verstehen können, leiden wir. Wir leiden, weil wir wissen, was vorher unbewusst und eingebunden war. Leid durch Denken und Wissen. Leid durch Vorstellungen, die nicht eintreffen können. Leid, weil wir uns die Menschen nicht so zurechtbasteln können, wie wir sie gerne hätten.

    Aus dieser pubertären Phase haben wir nun herauszutreten. Wir stehen heute an der Schwelle zu einem neuen Verstehen, das Spiritualität ganz neu greift und aus dieser heraus freiheitliche Beziehung zulässt. „Leben in der Liebe zum eigenen Handeln und im Verständnisse des fremden Wollens ist die Maxime des freien Menschen“. Ob wir das als „integrales Zeitalter“ oder „Bewusstseinsseelenzeitalter“ bezeichnen, ist einerlei.

    Liebe geht aber niemals ohne Weisheit! Die best gemeinte Liebestat kann jemandem furchtbares Leid zufügen, weil nicht gut genug die Auswirkungen des Handelns vorausbedacht- und gefühlt wurden. Liebe geht nicht ohne Weisheit. Entwicklung kann aber auch nicht bei der Weisheit stehen bleiben!

    Du schreibst weiterhin:
    „Beziehungen, nach und nach auf das Funktionieren zu reduzieren, hat etwas Teuflisches an sich. “

    Wir lernen Beziehung erst dadurch überhaupt kennen, weil sie derart in Frage gestellt ist. Wir lernen auch die uns tragende Natur erst dadurch wieder neu schätzen, jenseits praktischer Verstandestätigkeit, weil sie in Gefahr ist, zerstört zu werden. Im Zeitalter des Individualismus sind offensichtlich diese Zerstörungen und Infragestellungen nötig, die uns in ausweglose Situationen bringen, um tiefere Einsichten gewinnen zu können. Dadurch erst wird unser ICH zu einem höheren gewandelt: Durch leidvolles Erkennen! Das wurde mir in letzter Zeit ganz klar!

    „Wir brauchen nicht mehr Regeln, sondern eine erweiterte,
    ganzheitliche, integrale Sicht.“

    Ich meine, dass wir eine neue Wissenschaft aus dem Geist heraus brauchen: Eine Geisteswissenschaft, die den Sektiertisch zum Altar macht und mit künstlerischer Phantasie arbeitet.

    „Die Heilung der Erde beginnt damit, dass die Menschen (wieder) lernen, mit ihr in Beziehung zu kommen.“

    Die Erde ist ein sterbender Organismus. Durch ihr Sterben, werden wir Menschen, als Teil der Erde wacher und bewusster. Sterben hat mit Bewusstseinserweiterung zu tun, so paradox das klingen mag.
    In unserem Leben können wir das Potenzial der Altersweisheit nur deshalb haben, weil wir sterben, alt und schrumpelig werden, Gebrechen haben . Es ist ein kosmisches Gesetz: Tod und Auferstehung, sterben um zu leben!

    Vielleicht schreibe ich noch einen zweiten Kommentar, weil Du ja viele Themen angesprochen hast, die ich aber gerne separat behandeln möchte. Zum Beispiel das Thema: Früher sei man „…nicht nach innen gegangen nur nach oben“. Das scheint mir fragwürdig zu sein habt aber auch seine Richtigkeit in gewissem Sinne. – Soweit das erst einmal!

    Lieber Gruss
    Joachim

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