Christus-Wirklichkeit – Teil 3

5 Die Kraft der Christus-Wirklichkeit

Die innere Wirkkraft von Christus, ist in den innersten Interaktionen der schöpferischen Welt tätig, wirksam in den formgebenden Kräften in materiellen und nicht-materiellen, seelischen Bereichen. Sie ist äusserst facettenreich, unvorstellbar zart, alles vergeistigend, verfeinernd, erhöhend, erheiternd. Die Christuskraft wirkt auf der Nano-Ebene, mikro- und makrokosmisch, vor allem aber seelisch. Sie wirkt durch Kleinstwesen hindurch, spielt auf allen Instrumenten des Lebendigen, des Kreativen. Christus ist der innere Tänzer des Seins, Schöpfung und Freude erzeugend. Alles kommt aus der Stille, sprüht in die Welt, schafft Welt, also reine schöpferische, gestaltende, tief wohltuende Liebe, die sich immerzu verkörpert. Körper und Erde sind gewordene liebende Hingabe und Gebären.

Christus bewegt, gibt, erfüllt. Er ist das grosse ICH, das ICH BIN, das absolute Subjekt, der Ausstrahlende, Gebende, Gebärende. Er ist die geistige Sonne. Er achtet darauf, dass alle Kräfte, die in die Schöpfung strömen, von Liebe erfüllt sind. Wir sollten gleichförmig mit Christus werden, mit ihm in Übereinstimmung sein, also selbst zu Gebenden, Bewegenden, Erfüllenden werden.

Werde also ein gebender, ein bewegender, ein erfüllender Mensch. Dies ist unsere wahre Natur, die darauf wartet angenommen und gelebt zu werden. Wir sind nicht Hängende, Depressive, Verneinende, Kontrollierende, Gierige. Das ist nur unsere zugedeckte, oberflächliche Seite, mit der wir uns irrtümlich identifizieren. Wir sind nicht die Oberfläche, mit der wir uns oft identifizieren, sondern quellendes Leben, Licht, Liebe. Im Spiegel Seiner Wirklichkeit können wir dies erkennen. Erlösung meint, sich von falschen Identifikationen zu lösen, Freiheit zuzulassen, Bewegung, Fülle, gebende Offenheit anzunehmen; das Leben akzeptieren, also lebendig zu sein. Lösen wir uns auch von falschen, unterdrückenden Bildern, mit denen uns die Kirche, generell die Religionen, über Jahrhunderte belastet haben.

Es ist die Zeit, die Ideologien, die Machtapparate, die Meinungs-Hoheit der Religionen zu überwinden. Bleibe aber der mystische Kern, die wahre Quelle der Religionen.

Christus ist auch jenseits der schöpferischen Welt, ist ruhende, reine Potentialität, Zentrum in absoluter Stille. Wir sind gehalten. Er ist im Nichts und in der Fülle, in der Kraft und in der Zärtlichkeit, in Form und Formlosigkeit.

Bezeugen wir es.

6 Die Christus-Wirklichkeit als universelle Einfühlung

Universelle Einfühlung: Christus, das universelle Wesen, das stets anwesend ist, geht auf jeden einzelnen Menschen gemäss seiner momentanen Verfassung und seinen gegenwärtigen Bedürfnissen höchst feinfühlig ein. Er lässt jedem Menschen die Einsichten und Qualitäten zukommen, die dieser zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in der jeweiligen Situation in besonderem Maße braucht. Er gibt jedem von uns genau das, was er/sie zu einem gegebenen Augenblick besonders braucht.

Es gibt eine hinhörende, anteilnehmende, uns wahrnehmende, liebevolle Kraft, welche im Christus-Energiefeld stets liebevoll wirksam ist.

Gott, auch in seiner Offenbarung als Christus zeigt sich uns in jenen Eigenschaften, die wir jetzt in unseren tief liegenden Bedürfnissen empfangen können und zu empfangen bereit sind.

Christus ist universell und individuell, gibt auf der individuellen und auf der kollektiv-universellen Ebene jene Erfahrungen und jene Kraft, die wir individuell und kollektiv benötigen.

Er sieht und beantwortet höchst präzise, in höchster Präsenz und Liebe das, was unsere Seele benötigt. Jede unserer Veränderungen bezieht er ein, wenn er uns wahrnimmt und auf uns einwirkt. Der Lebensplan von jedem einzelnen Menschen wie auch der Plan der Menschheitsentwicklung wird fast pausenlos modifiziert, gemäß unseren Erkenntnissen und Einsichten. Er wirkt in dem Maße ein, wie wir bereit sind zu empfangen und zu lernen – gemäß unserem Vermögen, unseren Kapazitäten und unserer Bereitschaft.

Unser Kosmos ist ein einfühlender, weil er erfüllt und erschaffen ist durch den einfühlenden, barmherzigen Gott.

Im Atem des Barmherzigen erfahren wir Seine leuchtende, all-gegenwärtige, barmherzige Präsenz.

Gott straft nicht. Gott schliesst nicht aus. Er akzeptiert, er bezieht alles ein. Er ist auf alles und auf jedes Einzelne bezogen. Er ist ein gütiger, feinfühliger Gott.

>>> weiter im Teil 4 Christus-Wirklichkeit

Retraite 1997 – Lichtblick – Werner Binder

Christus-Wirklichkeit – Teil 2

2 Der einströmende Aspekt der Christus-Wirklichkeit (Gnade)

Christus ist das geronnene Licht, geheiligtes Blut, universelle Barmherzigkeit. Es ist Gnade.

Durch Christus strömt göttliche Essenz in unser Bewusstsein, in unsere Seele, in unseren Körper. Christus drückt einfliessende Gnade, Barmherzigkeit, Mitgefühl aus. Er ist unmittelbarer Lichtträger, Lichtstrom, einströmende Liebe, Glückseligkeit. Dieser Einstrom ist real, ist die Realität, die Wirklichkeit schlechthin. Dieses Einströmen setzt unsere Empfänglichkeit voraus.

Es ist eine Herabminderung seiner erfüllenden Wirklichkeit, wenn wir sie nur als hilfreiche Vorstellung oder als trostspendende verbale Mitteilungen ansehen.

Christus verkörpert und ist göttliche Essenz, die real zu uns kommt und unsere Geburt als göttliche Wesen vertieft und vollendet. Christus ist Energie in Bewegung, welche in uns einsickert, wie Regen in die Erde.

Damit die Erfüllung unseres Wesens – die zweite Geburt – geschehen kann, ist es notwendig, dass wir unser Einverständnis und unsere Bereitschaft ausdrücken, diese göttliche Nahrung anzunehmen.

Christus ist DIE WIRKLICHKEIT, DIE REALITÄT.         

In seinem Erscheinen als Jesus lebte er uns die Menschwerdung vor, dadurch initiiert er uns.

Er ist der Begleiter unserer Vergöttlichung und damit Vermenschlichung als wahre Wesen im Bewusstsein unseres göttlichen Kerns.

Als Jesus ging er durch alle Schichten und Ebenen des Menschseins, auch durch die zerstörerischen, dunklen und abgestorbenen Schichten um diese im Mitgefühl wieder zu verlebendigen, zurückzubringen und zu integrieren im Selbst. Ebenso „durchwanderte“ er die himmlischen Welten der Freude und des Lichts.

Dies ist der Weg zum Menschsein als ein umfassender Mikrokosmos, in welchem nichts ausgeschlossen ist.

Es ist mir wichtig zu betonen, dass das Einströmen der göttlichen Wirklichkeit in Christus ununterbrochen, lückenlos und stetig geschieht. Es ist ein höchst beglückendes Ereignis. Es ist nährend, reinigend und erfüllend. Es ist erfüllt von Liebe und Weisheit.

Das Christuslicht ist sehr zart, sehr fein und frisch, erneuernd und vermittelt umfassende Geborgenheit und ein Empfinden von Aufgehoben Sein. Dies ist eine Erfahrung. Dies ist Gewissheit.

3 Die göttliche Sprache

Die Menschheit ist im Allgemeinen wenig zugänglich für die Sprache von Christus, denn unsere Schwingungsebene, in der wir verankert sind, ist weitaus gröber, intellektueller, komplizierter. Die Schwingung, in der sich Christus uns nähert entspricht unserer göttlichen Natur, welche sehr zart, fein, aber auch sehr einfach und klar ist. Um die Einwirkungen von Christus aufnehmen zu können, ist es nötig, dass wir uns in Meditation und Gebet auf unsere wahre Natur einstimmen. Dies geschieht dadurch, dass wir Abstand nehmen von unserer groben, schweren, oft dunklen Gedankenwelt und uns mit Hilfe des Atems, den wir uns als hauchfein vergegenwärtigen auf die Zartheit und Feinheit der Sprache Christi einzustellen versuchen, welche eine Art von Licht-Liebes-Sprache ist, die wir intuitiv, auf Herzensebene, vernehmen können und hier sehr klar, deutlich und unmissverständlich.

4 Der heilige Atem

Der Atem ist in seiner geistigen, feinen Dimension (Odem, Hauch) besonders geeignet das Wesen von Christus zu erleben. Feiner, verinnerlichter, rhythmischer und pulsierender Atem drückt das Wesen von Christus aus. Im bewussten Atem können wir ihm sehr nahe sein und sehr intime Verbundenheit erfahren. Es ist wichtig, dass wir versuchen, diese Nähe zuzulassen, in ihr zu bleiben, also in sie einzutauchen und sie in uns einwirken zu lassen. Unsere Ängste vor Nähe dürfen wir loslassen, denn Christus lässt uns frei.

Die Erde und die Menschen leben aus und in der Christus-Schwingung, die sie nur noch teilweise verstehen und aufnehmen können – wenn überhaupt. Deshalb sinken sie in die Schwere und Grobheit ihrer eigenen, meist unerlösten Gedankenwelten hinab und werden nicht mehr ausreichend ernährt von den zarten Schwingungen ihrer wahren Natur. Es entsteht eine Art seelischer Hunger und Durst, der materiell kompensiert wird, den Menschen aber nicht in die Ruhe und in das nötige Gleichgewicht zu bringen vermag.

Wenn wir uns auf den Geliebten einschwingen, indem wir unsere Liebesgefühle aufkommen lassen, geschieht eine Einstimmung – wie von selbst. Die Liebe ist also der Schlüssel zum Kontakt und zur Beziehung mit dem Göttlichen, das unmittelbar in uns selbst lebt.

Gott, Christus, der Heilige Geist, diese Drei-Einigkeit ist so unmittelbar, so direkt und einfach wahrnehmbar, dass es nötig ist, uns auf diese Einfachheit und auf die angeborene Nähe zum göttlichen Leben zu besinnen.

Die Christus-Wirklichkeit übersteigt jedes Konzept, jedes Bild, jede Vorstellung. Konzept und Bild wollen losgelassen werden, damit die Wirklichkeit, die wirkende Realität also, das Wachstum nicht mehr bremsen, sondern den Prozess sein lassen und die Wirklichkeit sich ausdehnen kann.

Wir sollten die christliche Lehre und die Kirche schlechthin entfesseln und befreien von allen moralischen und bürgerlichen Einschränkungen und von allen Gottesbildern.

Erst dann werden wir unsere innere Reise in Freiheit und Intensität aufnehmen können. Die Reise führt in die Wahrheit, in die Liebe und in das entfaltete Leben.

Die Reise führt in unseren Mittelpunkt und in den Mittelpunkt des Universums. Die Reise führt zu Gott. Jeder Atemzug ist eine kleine Sequenz auf dieser Reise.

Uns der göttlichen Führung übergeben, ist mehr als Loslassen. Diese Führung ist nichts Fremdes, etwas, das von aussen über uns kommt, es ist der zarteste Hauch, der aus dem Herzen kommt: weich und sanft. Es ist jene Substanz, die unser Innerstes ausmacht. Den Hauch, der aus jener Substanz weht, erleben wir als zärtlich-intime Berührung. Unsere Seele wird davon berührt und beginnt sich zu erkennen und auszuweiten. Über alle Grenzen hinaus. So erfahren wir die Grenzenlosigkeit, die Ewigkeit unseres Lebens, unseres Seins.

Die innerste Substanz unseres Wesens ist Liebe. Sie ist unsterblich, die Essenz von allen Gestaltungen, von allem, was stattgefunden hat. Die sterbenden Emotionen verwandeln sich wieder in reine Liebe. Es ist Rückverwandlung. Verwandlung, die wieder an unsere Ursprünglichkeit angeknüpft hat. Barmherzige Rückkehr ist die wahre Art des Sterbens.

SPIRITUALITÄT IST BERÜHRTES LEBEN.

Die Entfaltung hat zu ihrer Seite auch permanentes Sterben, an Häutungen erinnernd. Unser wahres Gesicht (das Angesicht) tritt aus der Tiefe hervor. Man spürt und erkennt, dass es aus Ur-Materie und aus Ur-Licht erschaffen und von endloser Liebe durchwirkt ist. Das ganze Leben ist ein Hervorgehen, ein In-die-Welt-kommen, Entfaltung im Licht, von Christus behütet. Offenbarung. Es ist ein Ausfliessen aus der kosmischen Gebärmutter, aus dem Kosmischen Christus. Dies kann, möchte geschehen, unsere Zustimmung und Einwilligung vorausgesetzt.

Das menschliche Leben ist Wandlung: wir wandeln uns von einem physischen und sozialen in ein seelisch-geistiges Wesen, von einem Wesen, das gebunden ist in karmischen Vorstellungen und Konzepten, zu einem kosmischen, universellen Wesen, geboren in Gott und geborgen in ihm. Dieses höhere Wesen – das Christus-Wesen – ist in uns angelegt und es trägt den Impuls, sich in uns zu entfalten, solange wir nicht dagegen Widerstand leisten. Wenn wir ausatmen, nachgeben, überlassen, geschieht die Entwicklung/Entfaltung leicht und sanft. Wie eine sehr sanfte Geburt. Ausatmendes Zulassen, getragen vom gegenwärtigen, zärtlichen Moment.

Werner Binder: Retraite 97 – Zwischen Himmel und Erde

Ergänzend zum Thema der Christus-Wirklichkeit nachfolgend ein Gespräch über das Christusbewusstsein auf dem YT-Kanal „Göttliche Liebe“ von Mona Lange. In diesem Austausch geht es um Erfahrungen mit dem Christusbewusstsein und das Leben da heraus im Alltag. >>> weiter zum Video-Beitrag von Mona

>>> weiter im Teil 3 Christus-Wirklichkeit

Christus-Wirklichkeit – Teil 1

Die Liebesgeschichte

Vorwort

Die authentische Botschaft Gottes und des Christus kommt aus unserer Seele. Natürlich: Heilige Schriften wie die Bibel, schriftliche Zeugnisse von Mystikern und die mündlichen Mitteilungen von Zeitgenossen sind wichtige Anregungen, um uns der geistigen Welt anzunähern.

Zentral aber sind die Botschaften, die aus unserer Seele durch das Tor des Herzens aufsteigen. Das innere Hören auf die göttliche Stimme erfordert geduldiges, meist jahrelanges Hinhören.

Dieser Text über die Christus-Wirklichkeit ist nach über dreissig Jahren Kontemplation, fokussiert auf die Christus-Wirklichkeit hin, entstanden.

ES IST EINE GESCHICHTE DER LIEBE.

Es war mir ein Anliegen, die Essenz meiner inneren Wahrnehmungen in Kürze zusammenzufassen und den Leserinnen und Lesern zur Verfügung zu stellen.

Ich weiss, dass viele Menschen durch das patriarchal eingefärbte christliche Denken und Fühlen ihrer Eltern und Grosseltern mitgeprägt sind. Diese traditionellen Gottes- und Christusbilder, geprägt von moralischen Vorstellungen eines strengen, oft strafenden Gottes, haben unsere religiöse Haltung mitgeformt und die Christus-Botschaft – ich wage es auszusprechen – verfälscht.

Zudem haben wir uns zu wenig auf die zeitlose, kosmische Wirklichkeit des Christus bezogen, der uns unmittelbar, genau jetzt! individuell und kollektiv erreichen möchte.

Um aus unserer Enge und Angst in die Weite Gottes zu gelangen, brauchen wir Unterstützung. Die Menschheit ist zu sehr im materiellen Denken gefesselt. Aus eigener Kraft finden wir den Weg in die Freiheit kaum. Die Liebe in uns will freigesetzt werden.

Die Krise des Christentums – ja, für mich ist es eine Krise – stellt sich mir so dar, dass sich die meisten Menschen nicht mehr für es interessieren. Sie haben sich abgewendet, zum Teil apathisch. Die Menschen haben nicht nur die exoterische Seite der christlichen Tradition weitgehend vergessen, sondern auch – und dies in noch grösserem Masse – die esoterische Seite ihres Christus-Erbes. Die Folge: Die wunderbare Wucht und die Kraft des Stromes der Christus-Wirklichkeit hat sich zurückgezogen, fliesst nun unterirdisch, verborgen. Können wir unsere Kultur und unsere geistige Heimat erneuern und beleben, ohne uns in der Tiefe an den Kraftstrom zu erinnern, welcher die Christus-Wirklichkeit darstellt? Ich meine: nein.  

Nur durch die Wieder-Erinnerung und die Anerkennung unseres Vermächtnisses, also unseres Erbes, finden wir zu unseren eigenen Wurzeln.

Werner Binder

 


1 Die Quelle

In unermesslicher Vielgestaltigkeit wirft sich Gott, der All-Liebende, der Gütige, der Wahre aus sich selbst heraus, schafft ausatmend das Universum und den Kosmos – in absoluter Schönheit und in betörender Harmonie. Das Universum ist Seine Ausstrahlung, in der sich Seine unendliche Potentialität manifestiert.

Alles Erschaffene, alles Werdende und Sterbende und alles was in Wandlung begriffen ist fliesst aus endloser und bedingungsloser Liebe.

Den unserem Bewusstsein zugänglichen Beginn können wir als Ursprung, als erste Wirklichkeit und als Realität erkennen.

Jesus Christus, der Sohn Gottes, als Prototyp des voll erwachten ursprünglichen Menschen, des Menschen, so wie er gemeint ist, also in seiner wahren Natur, erschien als Jesus vor rund 2000 Jahren auf Erden. Er repräsentierte das ewige Sein, das ausgereifte Bewusstsein und die All-Liebe und Seligkeit Gottes. Diese drei göttlichen Aspekte (Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit) erscheinen als Eines in Jesus Christus.

Christus repräsentiert und lebt in menschlich-göttlicher Form die Ur-Wirklichkeit, die unfassbare Schönheit und Kraft der Quelle, die immer fliesst. Jesus kam nicht, um zu richten oder zu bestrafen, sondern um zu erfüllen und die Impulse zur Verwirklichung des göttlichen Willens zu setzen.

Jesus Christus als Wasser des Lebens ist sowohl Ursprung (Quelle) wie auch der Weg zur Quelle, zum Ursprung, dem Ziel, das wir nun nach unserem Lebensweg (Ich bin der Weg) in hohem Bewusstsein wiederfinden. Dieses Lebenswasser, das unserer Seele zufliesst, enthält alle Informationen, die wir für unseren Weg benötigen, die unser Wesen für seine Entfaltung benötigt. Ausserdem ist unsere Seele eine Art von Empfängerin für die Seins-Seligkeit, die unsere Lebensgrundlage bildet.

Jesus Christus ist unser Vorgänger, unser Modell und Vorbild, dem wir nachfolgen dürfen. Er ist uns voraus gegangen – zu unserer Hilfe und Orientierung. Deshalb nennen wir ihn sowohl Gottes-Sohn wie auch Menschen-Sohn.

>>> weiter im Teil 2 ….

Der Tanzende

Wenn Du mich fragtest,
was denn wahres Licht sei
und ich in diesem Moment von Liebe beseelt wäre,
dann würde ich über Deinen Körper streichen,
ganz sachte und voller Zärtlichkeit;
ich würde Dich anschauen und erkennen:
Ja, Du.
Der Kosmos würde tanzen.
Du würdest vibrieren
und alle Lasten fielen von Dir.
Alles Verneinte in Dir würde getröstet
und Du würdest dich weiten.
Atemlieder flackerten durch Deine Glieder
und ein Duft, wie Du ihn noch nie geatmet
würde durch Deinen Körper, Deine Seele sickern;
unter Deinen Füssen
würde die Erde gleich einem klopfenden Herzen beben.
Alles wäre augenblicklich da:
die Wälder und Flüsse,
Berge und Täler,
Pflanzen und Tiere;
blau schwebte die Erde durch die Milchstrasse
und Du stauntest,
wie Musik, unsäglich schön,
die dem All
und deinem Herzen entströmt
alles in Bewegung hält.

Alles erweichte in Dir.
Du glittest durch strömende Stille,
weicher als Wasser, feiner als Luft, schöner als Sonnenlicht
und inmitten würde Christus tanzen.

Werner Binder

Der Tanzende – Werner Binder -1992

Leuchtspuren des Menschen

A – Menschheits-Dämmerung

Das Drehen ist kaum erkennbar, aber wir spüren, dass unser Planet in seinem blauen Licht tanzt. Betrachten wir ihn vom All her, erkennen wir ihn in seiner sanft-zärtlichen Stille und fühlen uns in der tiefsten Stelle berührt und bewegt.
Von oben sind die Grenzen, die wir unten gezogen haben, nicht erkennbar. Dafür sehen wir diese unwahrscheinlich schönen Muster- und Farbkompositionen. Nur Liebe kann diese Schönheit hervorbringen.

Sollten wir tiefer „fliegen“ erkennen wir nun die Dörfer, Städte, Wälder und Wüsten, Seen und Meere. Und zunehmende Verwüstungen: Durch Smog kaum erkennbar Städte, eben abgeholzte Wälder, verseuchte Uferzonen, zerbombte Siedlungen.
Vom Herzen her besehen spüren wir Irritationen, Schmerz, Trauer, Verzweiflung. Wir erkennen den Kampf zwischen den Prinzipien: jener Angst-Macht und der heilenden Kraft der Liebe.
Dämmerung liegt über der Erde. Wir können ihr Alter erspüren, die Ahnen verwoben mit Bäumen und Flüssen. Und wir ahnen den Sternenstaub während ihrer Erschaffung und ihre Beziehung zu den umliegenden Planeten und Sonnen, ja vielleicht ihren besonderen Platz im Kosmos.
Wir hören ihren spezifischen Klang, der aber mehr und mehr unkenntlich wird unter der Irritation und Schmerz-Vibration der herrschenden Prozesse.
Schreie der Angst, des Schmerzes vermengen sich mit dem Jubel der sphärischen Chöre.

Auf der dunklen Erde zeichnen sich im Morgengrauen erste Lichtgerinnsel ab, die feinsten Äderchen gleichen, die über und durch die Dunkelheit gleiten und zu zeichnen beginnen, als ob sie von einer weisen Hand geführt würden.
Erst wenn sich die Augen an das doch ziemlich dunkle Dämmerlicht gewöhnt haben, werden diese geheimnisvollen Licht-Zeichen gesehen. Sie erinnern an Schriftzeichen, die gelesen und gedeutet werden wollen.

Dann, bei den ersten Strahlen des anbrechenden Morgens wird spürbar (mehr als dass es mit den Augen erkannt werden könnte), dass sich eine Gestalt abzuzeichnen beginnt, welche den ganzen Erdball umspannt.
Ein allmähliches Leuchten dieser Gestalt wird für den erkennbar, der seine linke Hand auf dem Herzen hält und tief zu atmen beginnt.

B – Das neue Gesicht der Erde

Mit der Zeit wird es gewiss und wir erkennen uns nach und nach selbst. Der Mensch, der sich auf unserer Erde abzuzeichnen beginnt. Der Menschheits-Mensch. Die Geburt der bewussten Menschheit: ein Lichtleib, vom Kosmos bestrahlt und aus dem Herzen geboren.
Der Menschheitsleib, fein verzweigt, aus Millionen von Lichtzellen, die pulsieren, ersteht. Jeder Mensch eine Lichtzelle, das Ganze enthaltend. Das Bewusstsein der einen Menschheit in göttlichem Licht.

Und dieser Menschheits-Mensch beginnt zu atmen und die ganze Erde bebt. Das Angesicht, in dem wir uns erkennen.
„Du in all deinem Leid, deinem Schmerz, deiner Unbeholfenheit, deiner Schwäche: Du bist gemeint, Du bist geliebt. Du pulsierst: Urmaterie, Urlicht, schon immer. Du, Wir.“
Alles ist aufgehoben in unserer gemeinsamen Erde: Inkarniertes Licht-Liebes-Licht, aus dem wir sind und aus dem wir hervorgehen.

C – Noch ist diese Erscheinung im Werden

In diesem Werden des sich allmählich abzeichnenden Menschen (der Urmensch, Adam Kadmon), öffnet sich langsam der aufgehende Atem: die Sonne der Barmherzigkeit, die in den Herzen der Aufwachenden aufgeht.
Noch ist es nicht soweit. Noch brauchen wir Geduld, viel Geduld und die Bereitschaft die Spannung auszuhalten, die zwischen dem Wunderbaren und dem Unerlösten noch ist.
Hier in dieser Spannungsmitte ist der Platz der Dienerlnnen, der Priesterlnnen, die versunken in ihrer Herzensmitte, die Arme weiten.

Werner Binder

„Die weisse Sonne“ vermutlich im Zeitraum zwischen 2005 und 2009 erstellt.

Die Licht-Herz Meditation

Aufbau eines Liebes-Kraft-Ortes

Einleitende Bemerkung
Diese umfassende Meditation aus dem Jahr 2016 wurde ursprünglich von Werner als Meditation für 2 Menschen angedacht. Sie kann aber auch alleine oder in einer grösseren Gruppe praktiziert werden.

Es geht darum, einen Ort der Liebe und Heilung zu schaffen, der dann über die ganze Erde und ins Universum hinein ausstrahlt.

Regelmässig praktiziert entsteht ein wahrnehmbares Feld, eine Erweiterung unseres physischen Leibes als Tempel Gottes. Ein Ort in Gemeinschaft mit der Geistigen Welt wird geschaffen.

Die Visualisationen sind als Anregungen gedacht. Ein Jeder/Jede folge seiner Intuition und öffne sich der Inspiration.

Werner hat den Ablauf stichwortartig niedergeschrieben. Er wurde nun soweit angepasst, und ausformuliert, dass es auch für die, die diese Meditation nie zusammen mit Werner praktiziert haben möglich ist, den Schritten zu folgen.

Die Licht-Herz Meditation

Vorbereitung

Die Praktizierenden sitzen sich gegenüber, in der Mitte brennt eine Kerze, symbolisch für das Licht-Herz. (grössere Gruppen bilden einen Kreis, alleine Praktizierende visualisieren sich ein Gegenüber, dies kann ein Meister, ein geliebter Mensch oder ein geistiges Wesen sein.)

1. Teil

Imagination des Kraftortes eines «Licht-Tempels»
Wir visualisieren einen Kraft-Ort oder ein Kraftfeld, das uns umgibt ­– eine filigrane, vielfarbige, irisierende Lichtgeometrie, die an eine Kuppel, Kathedrale, einen Tempel oder eine Pyramide erinnert. Sie bietet vielen Wesen Platz.

Widmung
Diese Licht-Herz-Meditation ist auf den all-einen, allgegenwärtigen Gott ausgerichtet, IHM gewidmet. Die Meditation ist offen für alle Wesen, die der Liebe dienen und die bereit sind, der Erde und der Menschheit göttliches Licht zuzuführen.

Verbindung mit «Mutter Erde»

  • Wir konzentrieren uns auf das Wurzel-Chakra und den Beckenraum und atmen einige Atemzüge da hinein.
  • Es folgen 4 Atemzüge. Beim Ausatmen singen wir jeweils lange, tiefe, erdige Töne* in die Erde, den Erd-Mittelpunkt, das Fundament.
  • Es folgt ein 5. Atemzug. Beim Ausatmen singen wir einen «Stille-Ton» dieser wird nur innerlich gesungen. Der Stille-Ton bedeutet Äther und Quint-Essenz.
  • Beim nächsten Einatmen öffnen wir uns der Energie von «Mutter Erde» und lassen diese in unser Wurzel-Chakra und den Beckenraum einfliessen.

*dies können Vokale sein z.B. «U, O», Mantren-Keimsilben oder Heilige Namen, die mit göttlich-Mütterlichen-Prinzip in Resonanz gehen.

Verbindung mit «Vater Himmel», dem Universum

  • Wir konzentrieren uns auf das Kronen-Chakra und den Kopf-Raum und atmen einige Atemzüge da hinein.
  • Es folgen 4 Atemzüge. Beim Ausatmen singen wir jeweils lange, hohe Töne, durch unseren Scheitelpunkt hinaus zum Mittelpunkt des Universums. Dabei visualisieren wir einen Lichtstrahl oder eine Nabelschnur.
  • Es folgt ein 5. Atemzug. Beim Ausatmen singen wir einen «Stille-Ton».
  • Beim nächsten Einatmen öffnen wir uns der Energie von «Vater Himmel» und lassen diese in unser Kronen-Chakra und in den Kopfraum einfliessen.

*dies können Vokale sein z.B. «E, I,» Mantren-Keimsilben oder Heilige Namen, die mit göttlich Väterlichen-Prinzip in Resonanz gehen.

Verbindung mit dem Menschen, dem Christus

  • Wir konzentrieren uns auf das Herz-Chakra und den Brustraum und atmen einige Atemzüge da hinein.
  • Es folgen 4 Atemzüge. Beim Ausatmen singen wir jeweils lange, mittlere Töne, durch unser Herz-Chakra hinaus in die Welt. Unsere Achtsamkeit folgt der Liebe, Schönheit, Zärtlichkeit und dem Mitgefühl
  • Es folgt ein 5. Atemzug. Beim Ausatmen singen wir einen «Stille-Ton».
  • Beim nächsten Einatmen öffnen wir uns der Energie der LIEBE des Christus und lassen diese in unser Herz-Chakra und in den Brustraum einfliessen.

2. Teil

Imagination des Beziehungsmittelpunktes ­– Ein Licht-Herz.

  • Wir imaginieren ein Licht-Herz als Beziehungsmittelpunkt zwischen allen Anwesenden.
  • Wir atmen einige Zeit in Stille aus unserem Herzen zum Mittelpunkt hin und begegnen uns in der Mitte – im Licht-Herz und beim Einatmen atmen wir wieder in unser eigenes Herz.
  • Wir unterstützen dies mit einer Gebärde beider Hände, die wir auf unser Herz legen und die sich beim Ausatmen halbkreisförmig zum Licht-Herz hin öffnen und beim Einatmen sich wieder zum eigenen Herzen hin bewegen.
  • Im Gewahrsein der Liebe beginnen wir eine Melodie oder ein Lied der Liebe zum Licht-Herz hin zu summen oder singen.
  • Und mit dem letzten Ausklingen atmen wir wieder ins eigene Herz hinein.

3. Teil

Imagination eines höchsten Punktes – die höchste göttliche Wirklichkeit

  • Das Gewahrsein ist im eigenen Herzen.
  • Wir atmen ein und lenken unser Gewahrsein zum Kronen-Chakra.
  • Wir atmen 3 Atemzüge in unser Kronen-Chakra und imaginieren eine diagonale Licht-Linie zu einem höchsten Punkt über dem Licht-Herz in unserer Mitte des Kreises.
  • Wir verstärken diese Licht-Linie in dem wir 3x ein aufsteigendes «i» singen das in diesen höchsten Punkt hinein klingt: Die göttliche Gegenwart, Gottes Auge oder höchste göttliche Wirklichkeit.
  • Über unser Kronen-Chakra (den Scheitelpunkt) sind wir nun alle in diesem höchsten Punkt in der höchsten göttlichen Wirklichkeit miteinander verbunden.
  • Wir singen 3x Ain Soph (hebr. Ohne/keine Grenzen) und einmal Ain Soph Or (hebr. Grenzenloses Licht)
  • Wir imaginieren, wie aus dieser höchsten göttlichen Wirklichkeit ein Licht-Strom in das Licht-Herz in unserer Mitte fliesst.
  • Dabei singen wir 3x zama, zama, ozza, rachama ozai.*
    Wir empfangen das LICHT
  • Wir bitten dich, Christus, das Licht im Tempel, in unserem gemeinsam geschaffenen Kraft-Ort zu reinigen und zu segnen.                            
  • Wir bitten euch, ihr Gott dienenden Engel und Wesenheiten um Mitwirkung in dieser Licht-Herz-Meditation. (Vielleicht fühlen wir, wie sich der Licht-Tempel mit diesen Engeln und Wesenheiten füllt.)
  • Wir laden die 4 Elemente und die mit ihnen verbundenen Erzengel ein, den Kraftort im Ätherleib der Erde zu erden und zu festigen. (Wasser – Gabriel, Erde – Michael, Feuer – Uriel und Luft – Raphael)
  • Nun lassen wir den ganzen Raum mit OM – AUM – AMEN vibrieren. Wir singen es 3x.

*Energieauslöser des Lichts – der Barmherzigkeit; aus J.J. Hurtak «Pistis Sophia – eine gnostische Schrift mit Kommentar», S.82

4. Teil

Ausstrahlen des Licht-Liebes-Raumes

  • Wir lassen den Licht-Liebes-Raum in unseren Alltagskreis ausstrahlen.
  • Dabei können wir die Namen der Menschen, die wir mit dem inneren Auge sehen still oder laut aussprechen.
  • Wir lassen das Licht-Herz ausstrahlen und in den Erden-Kreis ausdehnen.
  • Wir imaginieren die Erde, umhüllen und durchdringen sie mit heilendem Licht. Dabei können wir auch Schmerzstellen des Planeten imaginieren.
  • Wir öffnen in unserem Kreis einen Raum für Gebete, die still oder laut gesprochen werden können. Z.B. das UNSER VATER in Aramäisch singen (oder sprechen), und/oder ein Liebes-/Heil-Lied für die Erde oder Menschen. Wir können hier auch eine Sequenz «Tonglen»* einbringen.
    Stille. (den Gebeten Raum geben)
  • Nun lassen wir das Licht-Herz in den Kosmos ausstrahlen. Wir bitten um die Vereinigung des kosmischen Herzens mit dem unseren.
  • Wir bitten um das Zusammenwirken des Kosmischen Christus mit unserem Wesen, das wir sind. In der Vorstellung und/oder mit Hilfe einer Geste kleiden wir uns in einen kosmischen Lichtmantel ein.

*eine Praktik aus dem tibetischen Buddhismus, bei dem sich der Praktizierende vorstellt, das eigene Leid oder das Leid anderer Menschen aufzunehmen und daraufhin Liebe und Mitgefühl auszusenden.

Stille Meditation

Wir danken Gott, Christus und allen mitwirkenden Wesenheiten.

Amen.


Licht-Herz-Meditation herunterladen

Die Meditation kann hier herunter geladen werden. Teilen mit Quellenangabe „wernerbinder.ch“ erwünscht.

Begegnungen mit Werner – ein Nachruf

Nachruf für die Integrale Politik Schweiz 
von Werner Kaiser       

Mit Werner Binder verabschieden wir einen Pionier der Integralen Politik Schweiz. Er war einer der drei Männer, welche die IP ins Leben gerufen haben, noch bevor die zwanzigköpfige Kerngruppe sich an die Arbeit machte.

Werner war vielseitig interessiert. Im Zentrum seiner Persönlichkeit stand eine tiefe Spiritualität. Aus ihr flossen Tanz, Malerei, Dialog und, im Dienst der IP, Politik. Im Gespräch war er bedächtig, ernsthaft, wohlwollend. Oft wiederholte er einen Satz seines Gegenübers, bevor er antwortete. Er wollte verstehen, bevor er sprach.

Die zwanzigköpfige Kerngruppe der IP – Foto:Augustin Saleem

Die Weite seines Denkens und die Tiefe seiner Spiritualität kamen in seinen Schriften zum Tragen, die er in seinem Eigenverlag veröffentlichte. Er schrieb Erlebnisberichte aus seinem Innenleben und Gedanken zur christlichen Mystik. Unter seinen Schriften findet sich eine Anleitung zur Bildung einer politisch-spirituellen Gemeinschaft. Eindrücklich, wenn auch nicht immer leicht zu lesen, sind seine Gedichte. 2013 erschien sein wunderschöner Gedichtband „Über die Liebe und die Schönheit der Vergänglichkeit“, den ich besonders schätze. Im Zentrum aller Schriften und wohl seines ganzen Lebens standen die Wörter „Barmherzigkeit“, „Zärtlichkeit“ und „Du“.

In den letzten Jahren veröffentlichte er seine Überlegungen in einem Blog. Er kann unter www.wernerbinder.ch nachgelesen werden. Den Tod voraussehend, schrieb er dort am 17. Januar dieses Jahres: „Aus gesundheitlicher Schwäche habe ich mich entschlossen, meinen Blog einzustellen“. Er starb vierzehn Tage später.

Als engagiertes Mitglied der IP war Werner auch die Politik ein Herzensanliegen. Eine Politik, geprägt von realistischer Wahrnehmung und spiritueller Deutung. Sein Beitrag floss in das Grundlagenpapier der IP ein, das für die Gestaltung der IP grundlegend wurde. Wie konkret sein politisches Engagement auch werden konnte, zeigte sich mir, als wir zusammen eine Jahresaktion zum Thema „Wie wir wirklich leben wollen“ planten. Mit vielen Aktionen und einer abschliessenden Kundgebung auf dem Lindenhof in Zürich sollte die IP in der Öffentlichkeit bekannt werden. Als der Vorstand das Projekt ablehnte, konnte ich erleben, wie er bei all seiner Sanftheit auch einen Ärger deutlich zum Ausdruck bringen konnte.

Seine grosse, Kraft und Bedächtigkeit ausstrahlende Gestalt bleibt uns noch lange in Erinnerung. Die IP verdankt ihm viel. Wir ehren ihn wohl am besten, wenn wir sein Werk in tiefer Verbundenheit miteinander und mit der Welt weiterführen. Der Schluss seines Gedichts „Sterbende Heimkehr“ möge unser Andenken begleiten:

Je älter ich werde,
desto leiser wird mein Leben,
dem Sterben  nach –
hauchfein,
decrescendo
Ich erlösche,
verschwinde,
leise,
sanft.
Oh!

Bild: Prexels – neosiam