Der Entscheid

„Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ – Johannes 8,12 

„Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“
Johannes 12,46

Ausatmen bedeutet gestaltend in die zeiträumliche Welt hinein gehen.
Ich trete aus mir heraus, wirke in die mich umgebende Alltagswelt. Ich versuche mich in der Welt, in der ich lebe, zu verwirklichen, mit ihr in Kontakt zu treten. Atme ich mehr aus, als ein, verliere ich mich in der Aussenwelt, verliere ich die Beziehung zu mir, vernachlässige mein eigenes Quell-Gebiet. Ich komme ins Torkeln, ins Taumeln, falle vielleicht zu Boden, verletze mich, weisss nicht mehr, wo ich bin. Draussen in der Welt, – welch ein Sog! – wirble ich von unzähligen Erscheinungen angezogen, suchtartig, wahnartig, von einem zum anderen hangelnd, bis es mir übel wird und ich anfange zu torkeln, zu taumeln, bis ich falle – verwundet.

Der Tänzer des Lebens hat seine Mitte gefunden.

Wir leben in einer sich mehrheitlich ausatmenden Welt, bis zur Erschöpfung. Der aussen-gerichtete und aussen-gesteuerte Mensch verliert den Kontakt zu seinem Mittelpunkt, zu seinem wahren Selbst, zur Quelle, seiner Substanz; er destabilisiert sich (vergl. letzter Blog-Artikel).

Der taumelnde Rausch ist Selbst-Vergessenheit, der auch wahnhafte Züge aufweist, pervertierte Hingabe: Ich lasse mich in die Arme Fremder fallen, die mich vielleicht missbrauchen. Das Lebensgefühl: Ich mag nicht mehr.

Der die Welt und sich selbst ausbeutende Mensch, lässt sich schliesslich fallen, vielleicht in den Abgrund, dem er, vielleicht angstgetrieben, zusteuert.

Deshalb ist es ja lebensnotwenig, dass wir feinfühlig und bewusst einatmen – immer wieder – um Kontakt zu unserer Quelle zu finden. Immer wieder. Bis uns das Gefühl für die Licht- Quelle für immer präsent ist und bleibt. Bewusstes Einatmen ist Einkehr, ist Heimkommen.

Auf dem Weg zur inneren Wahrheit ist kein klares Ergreifen, kein Zugriff möglich, wie wir es in manchen Krimis sehen können. Auf dem Weg zum Herzen, gilt es die Grenzen des Verstandes zu überschreiten; wir gelangen in schimmernde, unscharfe Zonen, auch in Räume, wo wir das geheimnisvolle Sein spüren. In diesen schimmern Bereichen, jenseits unseres trennenden Verstandes, öffnen sich neuartige, zarte Räume, die unser Herz direkt ansprechen. Dieses schimmernde Licht unterläuft vorerst einmal unseren Verstand, arbeitet zärtlich an uns, ohne dass wir dies klar fassen und erfassen können. Dieses schimmernde Licht wandelt und heilt. – Es ist etwas ganz anderes als jeder Versuch, uns mit rationalen und technischen Mitteln zu optimieren.
Lassen wir uns von den Mächtigen der Welt erziehen oder von unseren Herzenskräften?

Der Mensch ist Licht.
„Ihr seid Lichtwesen“
– Armin Risi legt das in seinem gleichnamigen Buch sehr eindrücklich dar. Im Laufe der Zeit, ist es uns möglich, dies zu erfahren und zu erleben. Damit sind wir in Beziehung zu unserer wahren Natur. Tauchen wir stets bei jedem Atemzug, in unsere wahre Lichtnatur ein, so wirken wir nun als ein strahlendes Licht in der Welt.

Mit Licht meine ich nicht ein metaphorisches Bild oder Symbol, welches auf etwas Höheres hinweist, auch keine blosse Vorstellung von etwas, sondern die innerste Realität, was wir in unserem Kern sind.

Vielleicht kommt der Moment, wo wir Christus in uns sprechen hören: „Ich bin das Licht der Welt.“

In diesem Moment, hat sich unser Atem, von einem ego-zentrischen in einen grossen, kosmischen verwandelt, der von Barmherzigkeit und LIEBE erfüllt ist.

Der ego-zentrische Atem ist angsterfüllt, in ihm kreisen wir um unser kleines, begieriges Ich. Im Licht-Atem der Barmherzigkeit, sind wir von universeller LIEBE erfüllt. Damit sind wir Mensch geworden. WAHRER MENSCH – VERE HOMO. Damit richtet sich der Heiler/die Heilerin in uns auf.

Oder eben: Wir bleiben auf der Kriech-Spur: Kraxeln von Erfolg zu Erfolg oder versuchen durch Anpassungsbereitschaft und Unterwürfigkeit Rosinen zu erhaschen oder wir lassen uns Mini-Roboter einpflanzen, um ein paar Jahre länger zu leben. Oder wir verjüngen uns kosmetisch – wie auch immer die materialistischen Konsum-Angebote sein mögen, die wir wählen oder auch – bei kleinen Einbussen, z.B. Minderung des Ansehen – ablehnen können.

Der Entscheid, die Freiheit, bleibt bei uns, ob wir uns auf unsere äusseren Möglichkeiten verlassen wollen, oder auf die Quell-Kraft in uns, die wir aber erst dann als reale und wirksame Kraft erfahren dürfen, wenn wir uns ihr hingebend zugewandt haben. Durch Hingabe und Zuwendung und durch das Wagnis durch die Zonen der Ungewissheiten hindurch zu gehen, finden wir uns.
Der Entscheid beginnt schon bei der Frage, ob es uns wert ist, bewusst zu atmen.

Woran wollen wir uns halten?

Destabilisierung und Disziplinierung

Mir scheint, dass sich das Weltenganze destabilisiert. Das, was die Welt zusammenhält entzieht sich uns Menschen. Vielleicht haben wir eine Theorie darüber, fühlen aber die Kraft, die alles zusammenhält hält. nicht mehr.

Als Kind, so schien es mir, war die Welt geordnet, gleichbleibend, brav, auch langweilig. Sicher aber: stabil. Jeden Morgen kam der Pöstler mit seinem gelben Velo, verteilte die Post, brachte die AHV (die Rente) den Alten, liess sie unterschreiben. Ein kleiner Schwatz mit der einen oder anderen Frau, die das Kochen hatte unterbrechen müssen. Immer der gleiche Pöstler, über Jahre hinweg.

Ich lebte an der Hauptstrasse der grossen Gemeinde. Etwa einmal pro Woche führte ein Beerdigungszug vorbei. Vorne der Wagen mit dem schwarzen Sarg, mit weissen Nelken geschmückt, gezogen von zwei schwarzen Rossen, die mit schwarzen Tüchern bedeckt waren. Dahinter der Beerdigungszug: zuerst die nächsten Angehörigen, die Freunde, dahinter die Dorfbewohner, die ev. eine lose Beziehung zur verstorbenen Person hatten.

Weiter: der Fastnachtsumzug, der Umzug des Sommerfestes, die Umzüge jener Burschen, die den Eintritt ins Militär, die Rekrutenschule, geschafft hatten, angeführt von mindestens einem Trommler. Alle waren sichtbar stolz auf ihre Wehrtüchtigkeit – Zweifler? Die gab es nicht.

Ich und oft auch meine Mutter standen auf dem Balkon sahen zu, freuten uns über jeden und jede, welche wir kannten.

Nein, die Welt, war trotzdem nicht in Ordnung: Ich lebte in einer engen Welt voller Vorurteile, Bigotterie und Spiessigkeit. Aber stabil war die Welt schon. Und die Kirchen waren voll.

Nun lade ich die Leserin und den Leser ein, mit mir durch die Jahre von 1965 bis 2000 zu rasen, stets im Zeitraffer, also festhalten:

Die Beatles. Die jungen Männer lassen sich die Haare wachsen, die Frauen tragen indische Kleider, Latzhosen. 1968: Paris und Berlin rauchen, sogar Zürich, Fackeln, Wut auf die Autoritäten. Marcuse hat recht. Pink Floyd. Der Deckel springt vom Fass, überläuft, Hippies, Gruppensex, neuer Feminismus, ganzheitliches Denken, Experimente, dann Nostalgie, die indischen Kleider verschwinden in den Kellern, Grossmutter-Look, kein Sex vor der Hochzeit. Die Yuppies sind da, zwischen Büro und Bar, zwischen Espresso und «Cüpli». Der Vietnamkrieg, der Kambodschakrieg. Europa. Ungebremster Konsum. Terror, Geiselnamen. Das Waldsterben. Die Ressourcen sind endlich, dennoch ungebremster Konsum, Marcuse hatte recht. Globalismus: globale Konkurrenz. Die grossen fressen die Kleinen, Infotainment. Erfolg ist geil. Multikulti. Dis Postmoderne. New Age, die Esoterik-Welle, schöner Wohnen, Feuerlaufen. Die PC, die Handys, grosse Konferenzen, Entwürfe für eine neue Welt, die Schere zwischen Arm und Reich wird grösser.

Und weiter ab 2000 in demselben Tempo:

Der Nationalismus dehnt sich aus, Autokraten auf dem Podest. Die Welt wird kühler, einheitliche Bildung überall, die Anonymisierung der Welt. Den Kassierinnen wird gekündigt. Die Menschen verschwinden mehr und mehr hinter ihren Bildschirmen. Robotik, KI, der gläserne Mensch. Folklore und Gemütlichkeit, der Wochenend-Flug nach New York. Jährlich: das Oktoberfest am Hauptbahnhof Zürich. Hinter Oberflächen: Nachdenklichkeit. Alles ist okay: die Post-Moderne. Personalisierte Werbung. Die Schere zwischen Arm und Reich wird riesig. Urwald-Rodungen. Die Klima-Erwärmung. Alles ist erlaubt, alles ist kontrolliert. Das Insektensterben. Aufrüstung, niemand merkts. Nicht noch mehr Beschleunigung! Die Aushöhlung der Demokratien, noch mehr Konsum, noch mehr Depressionen. Hält das Finanz-System noch lange? Wir leben in einer nach-christlichen Ära. Gender, Transhumanismus, gesundes Leben. Apokalypse. Corona und Still-Stand, digitale Meetings. Luft!! Wer berührt wird krank. Kein Sterben mehr.

Damit sind wir in der Gegenwart angekommen. Natürlich ist dieser Durchlauf sehr subjektiv, auch wenig schonungsvoll, schwindelerregend wie auf einer Achterbahn, unheimlich wie in einer Geisterbahn.

Viele alte Strukturen sind weg, neue wechseln schnell, schlanke Firmen, schlanke, optimierte und gestylte Leute. Rasch werden die Berufe und Stellen gewechselt. Restaurant werden ständig ausgehöhlt und neu möbliert: Wo Holz war, ist nun Stahl und Glas. Kaum etwas, das zur Ruhe kommen kann, das Patina ansetzt.

*

Für Stabilität braucht es mehr als Strukturen. Diese müssen Substanz enthalten, sie müssen von Menschen beatmet sein, von liebenden Händen gepflegt sein. Geist und Form in Einheit bilden starke Formen, bieten Lebensraum, Schöpfungsraum (siehe Beitragsbild). Das meine ich hier mit Stabilität: Gegründete, erdverbundene Menschen, deren Seele weich sind und deren Herzen und Hände offen sind, bilden die Grundlagen für jede Entwicklung, geben Halt, Stabilität. Sie, welche die Mitte verkörpern, bilden Kohäsion, Sonnenkraft.
Der heutige Machbarkeits-Wahn und die Flucht vor der zusammenhaltenden Mitte (der Seelenkern, die Mitte der Welt) schaffen eine zentrumsflüchtige Dynamik, Zerfall, ja Chaos – im Übermass.

Wo Substanz war, ist nun Vakuum. Dieses wird nun gefüllt von den grauen Herren und ihren Ansprüchen nach Macht und Kontrolle. Sie glauben zu wissen, was die Welt, die Menschheit braucht. Was auseinanderzufallen droht, wird nun durch Disziplin zusammengeschnürt. Es sind Bündel von Einzelteilen, nichts, was gewachsen wäre.
Die Menschen, durch Hetze und Lähmung niedergeschlagen und verunsichert, beugen sich den Diktaten und die Herrschenden verstehen es gut aus Angst Kapital zu machen. Womöglich ist der Kapitalismus Auswuchs riesiger Ängste. – Kapitalisierte Ängste.

Wo es fehlt an gewachsener, reifer Autorität, folgt Disziplin, wo Vertrauen fehlt, wird mit Disziplinierung eine Pseudo-Stabilität errichtet, die vergleichbar mit einer bröckligen Säule ist.

Seien wir auf der Hut vor smarten Rezept-Gebern!

Vielleicht naht die Zeit, wo sich aus den Tiefen der Seelen herausschälen wird, was wir bedürfen, was wir wirklich wollen und uns ersehnen. Nach tiefem, erschöpftem Schlaf, wird vielleicht ein Stern über uns, hoch am Firmament, aufgehen. Und wir werden uns die Augen ausreiben und uns fragen, wo wir denn die ganze Zeit waren.

*

Das Kind öffnet seine Augen, lächelt.

Beitragsbild: A. Goldsworthy, Skulptur

Salutogenese – heilendes Milieu

Vorerst möchte ich die beiden im Titel vorkommenden Begriffe erläutern, danach werde ich sie in Beziehung zum jetzt dominanten Narrativ der Corona-Krise setzen.

Die Entstehung der Gesundheit
Salutogene ist das Gegenteil von Pathogenese. Wie werden wir gesund und was hält uns bei Gesundheit? Damit beschäftigt sich die Salutogenese: Welche Faktoren sind es, die uns gesund werden lassen. Aaron Antonovsky kam nach einer gründlichen Untersuchung zu folgendem Ergebnis:

Das Kohärenzgefühl ist ein zentraler Aspekt in der Salutogenese. Sie umfasst  drei Aspekte:

  • Die Fähigkeit, die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen – das Gefühl der Verstehbarkeit.
  • Die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können – das Gefühl der Handhabbarkeit oder Bewältigbarkeit (ähnlich dem Begriff der ‚Selbstwirksamkeitserwartung‘ nach Albert Bandura).
  • Der Glaube an den Sinn des Lebens – das Gefühl der Sinnhaftigkeit.

Wikipedia

Die offizielle Medizin (auch Schul-Medizin genannt) wird merklich von einem militanten und militärischen Denken mit-beherrscht. Zumindest die medizinische Sprache bestätigt meine These: Krebs wird bekämpft. Es wird Krieg gegen Zellen und Viren geführt; Fronten werden gebildet gegen krankhafte Geschwüre, Organe müssen entfernt/eliminiert werden, etc. Die Angriffe werden mit Gift, Strahlen und Killerzellen geführt; die Verteidigungslinien werden durch Distanz, Isolation und Quarantäne gebildet, welche mit „Schutz“ bezeichnet werden. –
Was stört wird zerstört oder entfernt.

Die sanfte Medizin betont die Selbstheilungskräfte des Menschen und arbeitet mit den Gedanken der Salutogenes.
Nicht primär die Symptome sind es, die behandelt werden, sondern Krankheits-Bereitschaften. So wird zum Beispiel nicht primär die Erkältung angegangen, sondern die „Erkältlichkeit“.

Das innere psycho-somatische Milieu wird hier gestärkt, damit Körper und Seele konstruktiv Krankheiten überwinden können, ja eventuelle gestärkt daraus hervorgehen können.
Krankheit wird als oft notwendiger und sinnvoller Teil der Entwicklung und Gesundung eines Lebewesens verstanden. Krankheit wird als Selbstheilungsversuch von Körper und Seele angesehen.
Krankheit kann als ein Glied der Gesundwerdung eines Menschen, oder der Menschheit angesehen werden. Die Sprache der Krankheit (insbesondere die Organ-Sprache) will verstanden werden. Aus diesem Verständnis wird die Therapie abgeleitet.


Heilendes Milieu
Das Milieu kann als ein Feld, ein Umfeld oder als eine Umgebung angesehen werden mit einem eigenen Charakter, einer eigentümlichen Atmosphäre und Kultur, in welchem die einzelnen Bereiche, Teilsysteme ein natürliches Ganzes bilden.
Ist das Milieu harmonisch und sind die einzelnen Bereiche gut aufeinander abgestimmt, so kann man von einem therapeutischen oder heilsamen Milieu sprechen. Der eigene Körper bildet ebenso ein Milieu, wie auch zwischenmenschliche Gruppen oder Gesellschaftsschichten (kleinbürgerliches Milieu, Rotlicht-Milieu, etc).

Das Milieu ist alles, die Mikrobe ist nichts“, so der französische Wissenschaftler Antoine Béhamp.
Mikroorganismen, Viren, Bakterien, Pilze sind nicht Auslöser von Krankheiten; sie bilden das Mikrobiom, bilden das körpereigene Milieu, halten uns gesund, wenn dieses nicht beeinträchtigt ist, zum Beispiel durch Umweltgifte, Elektrosmog, Feinstaub, etc. Ist das Milieu gestört, können sich Krankheiten darin ausbreiten, ist es gesund, ausbalanciert, sind keine Krankheiten zu befürchten oder werden kaum gefährliche Auswirkungen haben.
Natürlich wissen wir auch, dass das Milieu durch psychische Faktoren wie Stress und Angst geschwächt wird, wie es auch durch gute Beziehungen und eine vielseitige, harmonische und ausgeglichene Lebensgestaltung gestärkt wird.

Die einseitige, nicht-integrale Bekämpfung des Corona-Virus
Die extremen Hygiene- Verordnungen, die auf Trennung und Isolation abzielen, werden niemals das „Virus besiegen und vernichten“ können, um bei der kriegerischen Sprache noch einmal kurz zu verbleiben, nur schon deshalb, weil es sich stets wandelt und die aggressive Bekämpfung der Krankheit zudem unglaublich tiefgreifende Kollateralschäden, gerade den schwächsten Gliedern der Gesellschaft zufügt (Armut, Traumata). Die Betroffenen: Kinder, Jugendliche, arme und hungernde Menschen, Kleinunternehmer, Künstler.
Es mag ja gut sein, dass in einzelnen Fällen und für eine bestimmte und begrenzte Zeit Schutz-Massnahmen für gefährdete Personengruppen  sinnvoll sein können, niemals aber auf unabsehbare Dauer.

Alle ganzheitlich denkenden Menschen und Bewegungen müssten sich für eine inter-disziplinäre, ganzheitlich-integrale Betrachtungsweise der Krise stark machen. Sie müssten die Symptom-Bekämpfungs-Maschinerie anhalten und eine „Welt-Milieu-Therapie“ anstreben und fordern, in der Krankheit und Sterben sein dürfen, als integrierte Bereiche des Lebens. Sie müssten die Prinzipien der Salutogenese verinnerlichen, insbesondere den Aspekt der Sinnhaftigkeit des Lebens.

Was mich persönlich an der Corona-Krise am meisten erschüttert, ist die verbreitete Mitleidlosigkeit gegenüber den Leidenden, insbesondere den Kindern gegenüber.

Hier ein paar Zitate von Christian Kreiss*, gelesen im Nachrichten-Magazin Rubikon, welches für mich glaubwürdig ist, weil es nur gut recherchierte Artikel veröffentlicht. Hier:

„Auf den Philippinen dürfen Kinder unter 15, das ist ein Drittel der Bevölkerung, seit elf Monaten nicht mehr ihr Haus verlassen. „Sie sind verpflichtet zu allen Zeiten in ihrer Wohnung zu bleiben.“
Kinder dürfen seit etwa einem Jahr nicht mehr in die Schule, nicht mehr zu Freunden,….“

„Durch die Lockdowns verloren hunderte Millionen Menschen (vor allem in den Entwicklungsländern) ihre Arbeit und wurden in Entbehrung und Hunger gestürzt. Die Zahl der in Armut lebenden Menschen hat sich dadurch seit März 2020 um 200 bis 500 Millionen erhöht, die Zahl der akut hungerleidenden Menschen auf etwa 270 Millionen beinahe verdoppelt. Durch die Lockdownmassnahmen sterben derzeit etwa 6000 bis 12000 Kinder zusätzlich pro Tag an Hunger.“

Solche Nachrichten erschüttern mich. Ebenso erschüttert bin ich darüber, dass viele Menschen, denen ich von diesem Elend erzähle, diese und ähnliche Informationen nicht glauben und keinerlei Mitgefühl zeigen. Das gilt auch für die Leitmedien. Für sie ganz besonders. Es ist nicht ganz falsch von „Hygiene-Wahn“ zu sprechen, der alle anderen Gefühle und Gedanken zu absorbieren und zu dominieren scheint.

Mitgefühl ist die Emotion und Kraft, die ein Klima der Zusammengehörigkeit schafft und ein Milieu des Friedens und der Zusammenarbeit. Ein solches Milieu würde es uns gestatten mit Epidemien behutsamer und vertrauensvoller umzugehen. Das ist wohl die einzige langfristige und menschliche Strategie, wie mit Krankheiten und insbesondre mit Epidemien umzugehen ist. Schock-Starre kann es nicht sein.
Die Art, wie der überwiegende Teil der Menschen mit der Krise umgeht, erhält diese aufrecht und verlängert sie. Die Art, wie wir mit Corona umgehen ist die Krise – nicht das Virus. Es handelt sich um eine Bewusstseins-Krise, in der wir stecken. In dem Moment, wenn sich im Welt- und Menschenbild eine aufbauende Bewegung ankündigen sollte, wird die Krise vorbei sein, wird so rasch verschwinden, wie sie gekommen ist. Dies ist meine Prognose.

Eine neue, behutsame Zusammenarbeit
Das menschliche Zusammenleben beruht auf Austausch, auf Kommunikation, Teilen und Verbundenheit. In dieser Corona-Zeit baut sich die gefährliche Überzeugung auf, dass Jede und Jeder Gefahr bedeute, vor dem/der man sich zu schützen habe und so leicht geht die Tatsache vergessen, dass uns vom anderen Menschen auch (oder vor allem) Gutes entgegenkommt.
Ich gehe davon aus, dass ich primär jenen Menschen in meinem Leben begegne, die mir etwas zu sagen haben, dich mich ergänzen und mein Bewusstsein erweitern lassen – und umgekehrt. Wenn wir offen sind für einander, so nähren wir Lebewesen uns gegenseitig. Ja, und wir sind uns Lehrer und wir sind Lernende, erkennen uns im Spiegel des anderen. Wir entwickeln unsere Stärken dadurch, dass wir uns berührbar geben und einfühlsam sind. Wir schaffen ein Klima der Nähe und der Wärme, indem wir uns seelisch und körperlich berühren – in Respekt. Wir bauen Wärme-Räume auf physischer und subtiler Ebene.
Dadurch schaffen wir einen starken, durchpulsten Menschheits-Körper. Und dies befähigt uns auch, uns der Natur gegenüber zu öffnen.
Wir sollten uns vom Abstands-Diktat nicht irre machen lassen. Erinnern wir uns -gerade jetzt- an das, was uns zu Menschen macht: Empathie, Mitgefühl nach allen Seiten, Vertrauen, Mut und Aufrichtigkeit.

Das göttliche Milieu
Wenn der Mensch sich öffnet, geht er ins göttliche Milieu ein, welches immer da, anwesend, präsent ist. Darin erkennen wir unsere wahre Natur, die WIRKLICHKEIT, die von LIEBE erfüllt ist. In dieser All-Gegenwärtigkeit finden wir das richtige Mass.

„Der Mensch, wenn er ganz eingemittet ist, also verbunden mit dem Wesenskern seiner Seele, wird stets zur rechten Zeit am rechten Ort sein und er wird spüren, wann etwas beginnen soll und wann etwas enden soll. Er weiss es, weil seine Seele ihn führt, weil er mit seinem Wesen, das er ist, in einer einvernehmlichen Beziehung ist.“
Blog vom 28. März 2020: Das Gefühl für das richtige Mass. Siehe unter: ältere Beiträge.

Wenn mehr und mehr Menschen das göttliche Milieu erkennen werden -und ich gehe davon aus, wann immer dies geschehen mag- ; wenn der Menschheitsleib also beginnt in das supramentale Bewusstsein (Begriff von Aurobindo) einzutreten, werden die eindimensionalen Betrachtungs- und Vorgehensweisen in sich zusammen fallen und das nötige Wissen (im Sinne von Weisheit) wird der Menschheit zufallen, sich in ihrer ganzen Wesenheit aufzurichten, im Einklang mit der kosmischen Wirklichkeit. Das Liebeslicht wird uns heilen. Meine Hoffnung die Corona-Krise zu überwinden gründet in der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen den Pfad des Lichtes beschreiten oder vertiefen werden.

*Christian Kreiss: Mephistos Triumph

Die beiden Tore: Abschied und Neu-Beginn

Die Zweiheit ist eine göttliche Anordnung, die dem Menschen gegeben wurde, um zu lernen. Zum Beispiel Beziehungsfähigkeit, die auf Unterschiedlichkeit, oder auf Gegensätzlichkeit beruht, zu lieben also, wenn es anscheinend nicht passt, versöhnlich zu sein, selbst wenn es schmerzt. In diesem Artikel will ich die übermächtigen Tendenzen des Weltgeschehens betrachten, die uns, ob es uns bewusst ist oder nicht, in Atem halten: Das Abschiednehmen und die Resonanz mit dem Neuen, das sich abzeichnet.

Das Tor des Abschieds
Viele spüren, dass die einseitige materielle Ausrichtung auf Rendite, äusseren Erfolg, Ansehen und Macht ein Ende haben muss, da wir nicht mehr verbrauchen und vernichten dürfen, als es das Wachstum erlaubt. Der Kapitalismus, der sich zum seinem wohl letzten, wankenden Höhepunkt herauf schraubt, dem Überwachungs-Kapitalismus, kommt seinem Ende nahe, da er sich selbst verschlingt.
Ebenso kommt das Prinzip des Herrschens und Beherrschens, der eisernen Kontrolle zum notwendigen Zerfall, weil Mensch und Erde sich auf die Dauer nicht der Machbarkeit unterwerfen können, weil sie lebendige Organismen sind und nicht einseitig rational steuerbar sind.
Ich glaube, dass es nicht nötig ist, die Zerfalls-Symptome aufzuzählen. Sie sind all-gegenwärtig und überall wahrzunehmen. Die Zeit ist nahe, wo auch Abgebrühte, nicht mehr in der Lage sein werden, den Zerfall zu bagatellisieren.
Manche sprechen von Ökozid.

Nun sind die anteilnehmenden Betrachter, die sehen, wie sich die Türe zum Tor des Abschieds öffnet, ihrer Trauer und ihrem Schmerz ausgesetzt. Ihr Leiden ist bewusst und es ist gepaart mit Mitgefühl. Sie geben der sterbenden Kreatur eine ursprüngliche Stimme. Sie sind erschüttert. Sie stellen sich dem Prozess des Abschieds; sie fühlen mit. Sie seien gesegnet, getröstet.

Ohne sie, kann das Neue nicht erscheinen! Ohne sie verliert die menschliche Kultur ihre Wurzeln, das Gefühl für den Ursprung, für die Basis, für die Herkunft. Ohne sie, verliert die Menschheit ihr Herz.


Das Tor des Neu-Beginns
Der Neu-Beginn der kommenden Entwicklungsphase des Menschen beinhaltet, so vermute ich, ein sich ausdehnendes, umfassendes Gefühl für das Ganze, das integrale Bewusstsein. Mein inneres Auge sieht liebende Menschen, deren Seelen vibrieren.
Die Lichtpartikel/Zellen in uns sehnen sich danach, sich auszudehnen, ihr Volumen zu vergrössern. Es gibt den Drang in den Lebewesen, sich wieder aufzurichten und den Atem frei fliessen zu lassen.
Liebeslicht wird den erneuerten, den neu-geborenen Menschen erfüllen.

Das sich langsam öffnende, Wohlwollen, Güte und Empathie verströmende Licht-Tor, wird die Herzen der Betrachter beglücken. Sie werden aber ihre Aufnahmekapazitäten erhöhen müssen, um die einströmende Lichtkraft zu fassen und zu integrieren. Sie haben ihre alte Konditionierung, also den Zwang, ihre Wesenheit zu schmälern, sie zu reduzieren und zu unterdrücken, abzulegen und zu überwinden.

Die Betrachter des goldenen Tores spüren, dass ihre Spezies vor der grossartigen Herausforderung steht, leben zu lernen.
Beim Schreiben des eben gesetzten Satzes ist mir bewusst geworden, was ich geschrieben habe und ich möchte es nochmals, ähnlich gesagt, wiederholen:

Wir Menschen stehen vor der grossartigen, schönen und anspruchsvollen Aufgabe Leben zu lernen. Dazu gehört vordringlich, dass wir es wagen, unsere Herzen zu öffnen. Es ist gut, wenn wir uns dabei helfen.

Nun denken wir Menschen ernsthaft daran, uns das Sonnensystem «untertan» zu machen und müssen feststellen, dass wir gar nicht gelernt haben, zu leben, weil wir uns zunehmend von unserer Seele abgetrennt haben. Wenn es so ist, müssen wir also Leer-Raum, Empfangs-Raum in uns schaffen, indem wir uns befreien von Gedankenmüll, der sich in uns festgesetzt hat. Das Leben liegt gleichsam unter einer Glocke aus bleischweren Gedanken, Zahlen und Messwerten. Im gereinigten Raum, kann das ursprüngliche, reine Leben uns lehren, was Leben bedeutet.

Es ist nicht eben leicht für unser Grössenselbst zuzugeben, dass wir so vieles können, nur nicht wahrhaftig leben.
Die, welche sich dem reinen Leben zuwenden seien gesegnet.

Solche Perspektiven mögen auftauchen, wenn wir den Raum hinter dem goldenen Tor, stückweise erkennen.

Dazwischen
Wenn es dem Betrachter gelungen ist, durch die sich öffnenden Tore Einblick zu nehmen, dabei berührt zu sein und gleichzeitig unerschrocken das Gesehene anzunehmen, dann wird sich zwischen den Polen des Abschiedes und des Neu-Beginns ein dynamischer hoch-intensiver Zwischen- oder Begegnungs-Raum bilden.
Dieser Zwischenraum, wird er in Liebe gehalten, wird fruchtbar werden. Im Kreis des Umarmten bildet sich neues Leben, neue Form. In diesem Fall ist es vielleicht eine Brücke, die den Übergang ermöglicht.

Ohne diese haltende Mitte, würde sich vielleicht ein Abgrund auftun.

Ich stelle mir vor, dass auf der Mitte der Brücke ein Licht-Feuer brennt. Oder: eine Person steht in der Brückenmitte und breitet seine Arme aus.

Der Prototyp des all-umarmenden, alles versöhnenden Wesens ist für mich Christus, der auch in uns lebt.

Wir Menschen sind -zumindest viele von uns- Übergangswesen, weil wir in dieser Epoche des Übergangs geboren wurden.

„Die Übergangswesen* sind Begleiter*innen, von denen gefordert ist, Spannungen auszuhalten und zu halten in Hoffnung. Sie stehen zwischen dem Alten, das sich verabschiedet und dem Neuen, das in Geburtswehen liegt. Sie empfinden und bejahen den nötigen «Spannungs-Schmerz», der sich im Prozess des Übergangs ausdrückt.
Viele Menschen – sicher auch Leser*innen dieses Blogs – spüren diese Zeit des Übergangs als eine Erschütterung und als eine Aufforderung handelnd und betend Verantwortung zu übernehmen und mehr noch: sich selbst dem Wandlungsgeschehen zur Verfügung zu stellen, denn wer wandeln will, wird gewandelt, wer das Neue ersehnt, wird erneuert. Die Übergangswesen, sind Begleiter*innen, von denen gefordert ist, Spannungen auszuhalten.“
aus meinem Blog Übergangswesen (siehe unten)

Für Übende:
Eine meditative Imagination: Du siehst die beiden, halb geöffneten Tore vor Dir. Du lässt ihren Gehalt auf Dich einwirken. Du bist ganz geöffnet, Anteil nehmend. Sobald Du die Ausstrahlung beider Tore gleichzeitig spürst, wendest Du Dich dem Beziehungsfeld der Mitte, dem Beziehungsraum, zu. Die Konzentration liegt auf Deinem Herzen. Lass die Dynamik der Mitte zu, halte die mögliche Spannung aus und höre, was die „Dritte Kraft“, die der kreativen Mitte, dir sagen möchte.- Wenn es Dir sinnvoll erscheint, wiederhole diese Meditation während Tagen einige Male.

*Vergleiche Übergangswesen, Blog vom 18. Januar 2020. Siehe unter «ältere Beiträge» unterhalb der Schlagwörter.

Beitragsbild: Aquarell WB

 

Das gelobte Land

«Durch unsere kollektive Haltung isolieren wir die äussere Welt von ihrem spirituellen Kern. Unser Fokus auf dem Materialismus, unsere Verneinung des Heiligen in der Schöpfung hat uns von der Quelle des Lebens entfernt. Der Strom des Lebens ist nicht mehr rein; seine Gewässer sind äusserlich und innerlich verschmutzt. Die symbolischen Welten, die das äussere Leben früher mit Sinn erfüllten und von innen heraus mit heiliger Nahrung versorgten, wurden entheiligt. Durch die Trennung vom Heiligen und von der Quelle fehlt dem Leben ein essentielles Element, die Natur des Geistes.

Die Aufgabe des Mystikers in der heutigen Zeit ist es, das Leben wieder mit seiner Quelle zu verbinden.»

Llewellyn Vaughan-Lee: Aus Liebe zum Wirklichen

 

Die Reduktion
Heute lässt es sich sehr leicht feststellen, dass die Mehrheit der Menschen nicht mehr das Heil, also das Ganze, das umfassende Leben anstrebt, sondern einfach die physische Gesundheit, ein Leben addierter, möglichst gesunder Lebensjahre und nicht seine Erfüllung.

Diese Reduktion des Lebens fühlt sich mir als eine Verkümmerung an. Die mono-kausale Deutung in unserer Corona-Zeit wird dem Wesen Mensch niemals gerecht, ebenso wenig wie eine Medizin, welche ausschliesslich die Symptom-Bekämpfung (Krieg gegen das Störende) ins Auge gefasst hat.

Lasst uns in unser wahres Wesen atmen, damit wir die Grösse wiedererlangen, die uns gegeben ist. Wir nennen sie auch unsere Würde.

Moses
Mose ist der kraftvolle Visionär in uns, der uns aus der Gefangenschaft (Ägypten) führt.
Wir sind, so meine Deutung, gefangen in der reduktionistischen Betrachtungsweise von uns selbst, die uns unsere Würde nimmt.
Moses in uns symbolisiert die Brücke, also die Verbindung des Menschen zu Gott. Ihm ist es erlaubt, den Berg der Wahrheit zu erklimmen, auf dem er die Botschaften Gottes empfängt. Er ist damit beauftraget, diese dem Volke Gottes zu übermitteln und dessen Beziehung zum «Vater» wiederherzustellen, bzw. zu heilen.
Er hält das Feuer der Sehnsucht in uns wach. Er interveniert, wenn das Volk sich dem Tanz um das goldene Kalb ergibt.
Moses in uns führt uns auf den Weg in die Freiheit, ins gelobte, ins Heilige Land, wo die Wasser rein sind. Er ist sowohl Visionär, wie auch ein Mann der Tat, der mit der Kraft der Umsetzung in der Lage ist, das Gesehene und Erkannte zu verwirklichen

Mystisch betrachtet: Ägypten ist unsere Gefangenschaft, die innere Unfreiheit, die Ego-Fessel. Der innere Führer führt uns in ein höheres Bewusstsein: Israel, in das heilige, gelobte Land, wo wir die Nähe Gottes (Shekina, bzw. den Heiligen Geist) spüren. Die Reise führt uns durch die innere Wüste, durch innere Hindernisse und Verirrungen in das Land unserer Träume: Hier stehen wir auf heiliger Erde. Auf-Licht-Erde, die niemals einbricht. Hier geht die Geist-Sonne auf, hier sind wir verwurzelt – zeitlos.

Es gibt jene Menschen, die im Lande Ägypten bleiben wollen. Andere drängt es unwiderstehlich aufzubrechen.

Aufbruch ins gelobte Land
Ein Seelentraum, voller Glut und Kraft, tief im Innern, bereitet den Aufbruch vor. Es ist der Traum eines heiligen, eines gelobten Landes, dessen Erde heilig ist. Es ist Licht-Erde, die wir dort betreten werden. Alles in diesem Land leuchtet aus sich heraus, alles fühlt sich jung und rein an und das Herz geht den Bewohnern, die dort leben, auf und Ruhe breitet sich aus.
Dort zieht jeder, der diesen Boden betritt seine Schuhe aus, weil er fühlt, dass er heilig ist. Es ist ein goldenes Land, dessen Wasser rein sind.

Hier ist der Boden unerschütterlich. Er bricht niemals ein. Dieser Boden ist wirklich und diese Wirklichkeit lebt in uns.

 

Die Licht-Erde, leiblich gesehen

Neben der „Licht-Erde“, die sich in Augen-Nähe befindet (im Artikel äussere ich mich dazu), lassen sich zwei weitere Erden-Bereiche, bzw. Fundamente dem Körper zuordnen:  Erstens: der materiell-physische Erden-Boden auf der Höhe des Beckenbodens und zweitens: das Fundament des Vertrauens, welches auch als eine Art von Boden betrachtet werden kann: es befindet sich im Übergangs-Bereich zwischen dem Sonngeflecht und der Region des Herzens, etwas unterhalb des Herz-Chakras.

Im physischen Körper finden wir die Zugänge zum spirituellen Köper.

Die Licht-Erde, der Heilige Boden oder das Gelobte Land, befindet sich auf der Höhe der Augen. Das Band der Licht-Erde, beginnt unterhalb der Augen und zieht hoch bis in die Mitte der Stirne.
Folgende wichtigen Punkte finden wir hier:
Das dritte Auge: Es befindet sich zwischen den Augenbrauen. Es ist das hell-sichtige, subtile, intuitive, tiefer blickende Auge, das mit der Seele verbunden ist.
Die Zirbeldrüse. Sie befindet sich, ca. 2 Zentimeter höher als das Dritte Auge und mitten Im Kopf. Sie weckt Freude und ein inneres Lächeln. Durch Imagination, mit Hilfe des Atems und mit Klängen (das intonieren des Klanges A ist gut) kann die Zirbeldrüse, die auch in Verbindung steht mit der geistigen Welt, aktiviert werden.
Die Schläfen: Die Konzentration auf die Schläfen erzeugt Ruhe und Weite, einen Rundblick, die Wahrnehmung des inneren Ohres wird vertieft, Gleichmut und Gelöstheit wird spürbar und die Beziehung zur Region des Herzens wird gestärkt.

Wenn wir die Aufmerksamkeit mit der geschilderten Stirn/Kopf-Region halten, so kann es gut sein, dass sich das Erleben der Licht-Erde, der Heiligen Erde, aufbaut und wir fühlen Aufgehoben-sein – auch in unsicheren und bedrückten Zeiten.

Eine solche innere Aufbauarbeit erforderte einen geduldigen Aufbau und eine ständige Haltung des Lauschens. Falls wir den Boden der Licht-Erde betreten (mit nackten Füssen) ist es durchaus möglich, dass wir Gestalten (Wesenheiten) begegnen, die uns etwas zu sagen haben.

Ich wünsche mir zutiefst, dass einmal die Zeit kommt, in der die Weisheit uns zufallen wird, die Lichter der Erde, die Licht-Samen, (wieder) zu wecken, wodurch uns auch der Planet zum Heiligen Boden wird, den wir behutsam betreten und bebauen werden.

Beitragsbild: Foto N. Bayer

Der gewandelte Blick

Dieser Beitrag knüpft an die letzten beiden Blog-Beiträge an: «Umkehr der Perspektive» und «Metamorphose». Der folgende Artikel mag besser verstanden werden nach nochmaligem Durchlesen der erwähnten, vorangegangenen Artikel.
Es geht bei allen Beiträgen um das unvoreingenommene Erkennen der REALITÄT. Das hilft uns, die abgeflachte «Wirklichkeit» unseres globalen Alltags-Bewusstsein schärfer zu sehen, was auch schmerzhaft sein kann. Dieser Schmerz ist Teil des Wandlungsprozesses.

Der gewandelte, liebevolle Blick ist Teil des Prozesses und Ausdruck der Transformation des Menschen in ein sehendes Wesen, welches begonnen hat DIE RAEALITÄT wahrzunehmen.

Das gängige globale, gesellschaftliche Bewusstsein der Welt ist getrübt, illusionär, verzerrt.

Die Wahrnehmung des Menschen auf sich und die Mitwelt erlebe ich als sehr reduziert, verengt auf das Nützliche, Funktionale und Verwertbare der Lebewesen, des Lebens überhaupt. Dieser Blick ist sehr verengt. Das Bewusstsein ist nicht nur getrübt; es trägt auch wahnhafte Züge.

Und das Wahnhafte besteht eben darin, das Leben zu reduzieren auf seine materielle Verwertbarkeit – bei Verdrängung und Verleugnung dieser extremen Verengung des Blickes.

Öffnet sich das Herz und das Auge des Herzens (vielleicht nach Jahren der Einschnürung), so zeigt sich die REALITÄT, oder die Wirklichkeit. Der Mensch beginnt die Welt wirklich zu sehen. Er erkennt und spürt die Welt, das Geschaffene und das Schaffende in seiner Tiefe, in Wahrheit und reiner Wirklichkeit und Schönheit. Der Mensch ist nun auf dem Pfad der Erleuchtung. Er trinkt jetzt aus der Quelle.

Wer sich in seine seelische Wirklichkeit einlässt, erlebt  in der Regel die starke Erfahrung der Erweiterung und der Ausdehnung seines Bewusstseins und seiner Sicht auf DIE REALITÄT und wird gleichzeitig überrascht, von der fast unglaublichen Klarheit seines Blickes auf das Leben, das sich ihm nun in zunehmender Verfeinerung und Zartheit zu erkennen gibt.
Gleichzeitig mit der Verfeinerung der Betrachtung, wird die Wahrnehmung gereinigt und geklärt, wodurch die allem innewohnende Schönheit erscheint.

Die Verfeinerung des Schauens lässt uns also die Schönheit sehen, die allem innewohnt.

«Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.»
1. Kor. 13,12

Das Erkennen DER REALITÄT: Das Fühlen, Spüren und Erkennen einer allumfassenden, substantiellen Anwesenheit, die auf eine bestimmte Art körperlich empfunden wird, so wie der Geliebte oder die Geliebte, nach langer Reise in die Arme genommen werden darf, ist eben das, was ich als REALITÄT oder Wirklichkeit bezeichne. Es ist Leben pur. Anwesenheit.
Nicht im Entfernten vergleichbar mit dem Flachland der eingetrübten, reduzierten Alltags-Wirklichkeit.

Ein Bekannter erzählte mir, dass er gerne Waldspaziergänge mache, manchmal werde er sich nach solchen Spaziergängen gewahr, dass er gar nicht im Wald gewesen sei, sondern in seinem Kopf.

Die REALITÄT ist durchschienenes Da-Sein, Leben, das von innen her leuchtet.
Im gewandelten Blick erscheint die Wahrheit,
erscheint das Kind, das seine Augen öffnet.
Es ist das Erwachen in einer höheren Bewusstsein-Sphäre, in welcher der Herzschlag wieder hörbar geworden ist. Durchpulste Wirklichkeit.

Wenn das Herz sich öffnet, geschieht Wandel (Metamorphose), wie auch umgekehrt: Stellt sich der Wandlungs-Impuls ein, so öffnet sich das Herz und dieses öffnet sich im Gleichklang mit der Verfeinerung der Wahrnehmung, welche nun die Schönheit, die in allem west, hervorzaubert. –
Während im raum-zeitlichen Bewusstsein alles hintereinander oder nebeneinander erscheint, zeigen sich auf höherer Ebene, im Einheits-Bewusstsein, die Vorgänge und Ereignisse als ein Miteinander, als ein Zusammenspiel verschiedener Entwicklungsvorgänge im gegenwärtigen Moment. So erleben wir es manchmal in der Musik: Verschiedene Stimmen oder Melodie-Linien umtanzen und umspielen sich, verbleiben in ihrer Individualität, aber bilden zusammen ein umfassendes, symphonisches Ganzes.

Im Blick, der sich erneuert und ausweitet, wandeln wir uns und die Welt*, in der wir leben.
Der Blick öffnet sich, wenn der Mensch in Hingabe und Mitgefühl in seine Seele blickt. Bis auf den Seelengrund. Dort findet er sich.

***

Die Schauenden geben sich die Hände im Wissen um ihre Gemeinschaft. Ihre Blicke strahlen. Diese Gemeinschaft im Geiste bildet sich nun. Ihre Mitglieder erkennen sich in der Wachheit ihrer lichten Augen und in der gemeinsamen Aufgabe, das Licht in die Welt zu senden. In der neuen, umfassenden Art ihres Schauens, entsteht die Realität, die Wahrheit und Wirklichkeit, die in ihre schaffenden Hände strömt und in die, welche sich dem Licht geöffnet haben.

 


*Mensch und Erde sind miteinander eng verbunden: Wandelt sich der Mensch, dann wandelt sich auch die Erde, ihre Seele (die Welt-Seele) inbegriffen.

Umkehr der Perspektive

Die aussen orientierte Lebensweise

Die Energie, die von mir in die Welt einwirkt, z.B. indem ich kommuniziere, mich politisch, künstlerisch oder wie auch immer ausdrücke, ist der Fokus, auf den ich mich ausrichte. Jedenfalls war das bei mir lange so.

Ich bin, was ich tue, leiste, hervorbringe. Es gibt kein Zweifel darüber, dass aktives, engagiertes und kreatives Tun erfüllend ist. Die einseitige Fixierung aber auf das von mir Ausgehende, also auf meine Aktionen, bewirken, dass ich früher oder später in einen Zustand der Erschöpfung falle.
Der arbeitende, leistungsbetonte, nach aussen gerichtete Mensch, der sich mit seinem Tun identifiziert, bis hin zur Selbst-Ausbeutung, ist oft gefangen in der Einseitigkeit dieser doch eher männlichen Sichtweise des In-der-Welt-seins.

Das uns Zufliessende

Sind wir Menschen also damit beschäftigt, uns zu beobachten, wie wir uns in der Welt darstellen, was uns, so denken wir, Bedeutsamkeit verleiht, so verkennen und unterschätzen wir jenen uns zufliessenden Energiestrom*, der uns die Lebenskraft gibt, produktiv, hilfreich und aufbauend in die Welt zu gehen, unseren Lebensweg zu erspüren, der nach vorne ausgerichtet ist.
Durch die einseitige Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit nach aussen und vorne, verkümmert das uns Zufliessende, weil wir es kaum beachten und somit bleiben wir seelisch unterernährt.

Alle Lebewesen, Menschen, Tiere, Pflanzen sind in der Lage, uns auf ihre Weise wahrzunehmen. Wir werden gesehen, gehört, gerochen oder sonst in einer uns unbekannten Weise wahrgenommen. Wenn wir spüren und erfahren, dass Interesse, Zuneigung, usw. uns entgegen fliesst, werden wir dadurch genährt, wie auch die Lebewesen, die von uns freundlich wahrgenommen werden. Das gilt auch für die unsichtbaren Wesenheiten.

Wenn ich achtsam sehe und höre gebe ich den Wesen, die mir begegnen möchten, Raum, Lebensraum, wodurch sie mir ihre Seins-Qualitäten mitteilen können und sich darüber womöglich erfreuen. Welch ein Reichtum!

Der Zustand des Empfangens in der Kontemplation

In Kontemplation wirkt im Menschen oft der Archetypus des Pilgers auf dem Weg, der auf den Berggipfel führt oder an einen sehr stillen Ort in der Wüste. Wir gehen, so in unserer Vorstellung, achtsam und bewusst Schritt für Schritt unseren Weg dem Licht zu.
Dies ist ein schönes kraftvolles und hilfreiches Bild.
Haben wir die Perspektive gewechselt – und manchmal ist die Zeit dafür gekommen- so bleiben wir am Ort, an dem wir sind und empfangen die Kräfte, die den Weg zu uns finden möchten.
Das Bild hierfür: Wir sind ein empfangender Kelche oder eine weit geöffnete Schale, ganz offen, hingebend im Vertrauen darauf, dass das Licht und die göttliche Präsenz uns finden, die Strahlen unser Herz erreichen, welches sich mehr und mehr weitet. Dabei ist es wichtig, dass wir dem, was zu uns möchte, bewusst und vertrauensvoll Raum geben.
Dabei erfahren wir möglicherweise, dass wir gesehen, gehört, geliebt und erkannt werden. Wir erfahren auch, falls wir ganz offen und zugänglich sind, dass uns genau das gegeben wird, was wir in diesem Augenblick benötigen: «Unser tägliches Brot gib uns heute“, was auch Einsicht bedeutet – jene Einsicht, die uns jetzt dienlich ist.

Als Kontemplierender bin ich nun bereit mich bis in die Tiefe meiner Seele anschauen zu lassen. Ich übergebe mich dem gebenden, strahlenden, Leben erzeugenden Auge Gottes und ich lasse mich erkennen in meiner Totalität, in meiner Ganzheit und Wesenhaftigkeit.

Dieses Erschauen und Erkannt-werden ermöglicht es mir nun, mich selbst in meiner ganzen Wirklichkeit zu erkennen. Ich erkenne mich nun so, wie ich erkannt worden bin. Ich fange an, mich derart uneingeschränkt lieben zu lernen, wie ich nun weiss, dass ich geliebt bin.

Das Erleben, gesehen und geliebt zu werden wie ich bin, ist wunderbar – und in diesem «wunderbar» sind alle erhabenen und freudvollen Gefühle enthalten, die man sich nur denken kann – wirklich ausdrückbar, mit Worten, ist dieses Erleben nicht.

Also: Zuerst lasse ich das, was mich heilt, in mich einfliessen und in Dankbarkeit empfangen.
Danach integriere ich behutsam das, was mir hinzugeströmt ist und gebe es an mich und an die Mitwelt weiter, wechsle nun in den aktiven Modus.
Warum ist es gut, die Gaben in Dankbarkeit zu empfangen? Durch Dankbarkeit intensiviert sich das Empfangene. Zudem: Dankbarkeit bewirkt, dass der Empfänger ganz im Hier und Jetzt verankert bleibt. Wahre Dankbarkeit ist weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft zu erleben (was übrigens leicht ausprobiert und erfahren werden kann).

In Bezug auf Gott sind wir Menschen (Frauen wie Männer) primär weiblich-empfangende Wesen. Deshalb ist es auch wichtig, den Einen auch als die Eine zu erkennen.

Entwickeln wir den Mut, uns in Fülle geben zu lassen vom Geber, der Geberin allen Lebens.

Viele Menschen, die ich kenne, verspüren den Impuls, die zufliessende Kraft und Gnade zu begrenzen, weil sie sich nicht als würdig erachten, die Flut der Liebe und Güte in ihrer Fülle anzunehmen. Sie stoppen die einfliessende Kraft, weil sie glauben, soviel Liebe nicht verdient zu haben oder weil sie Angst haben, ihre Kontrolle zu verlieren über die machtvolle Wirklichkeit, die sich ihnen naht.
Deshalb wählte ich das Wort Mut. Hingabe an das, was einwirkt, braucht einerseits Mut und andererseits so etwas wie Übung und die Bereitschaft, über den Rahmen, den wir uns gesetzt haben, hinaus zu wachsen und ihn damit (das Ego) zu sprengen, den wir mit unserem Kontroll-Bedürfnis gesetzt haben.

Seit Jahren meditiere ich meistens im Modus des Empfangens und bin bemüht, mich dem Wandlungs- und Liebes-Geschehen der unendlichen Schöpferkraft zu übergeben.
Ich lasse mich also einfach anschauen bis auf den Grund meiner Seele und beachte fein, was mit mir geschieht. Die Meditation/Kontemplation selbst hat mich dahin geführt, mich auf diese Weise mit der Liebe und dem daraus hervorgehenden Leben zu verbinden.

ICH BIN, WAS MIR ENTGEGEN KOMMT.
ICH BIN, WAS MIR AUS DER TIEFE MEINER SEELE ENTGEN KOMMT.

* Der uns zufliessende Lebensstrom kann von innen oder von aussen zu uns gelangen.

Metamorphose

Zunehmend schwindet mein Glaube an eine erträumte und geplante Weltveränderung, die ausschliesslich aus den Händen des Menschen kommt. Ich halte die Welt immer weniger für reformierbar.
Ich glaube, dass es eine umfassende Metamorphose des Menschen braucht, damit wir uns auf einer höheren Bewusstseinsebene wiederfinden können. Dazu gehört vor allem der Respekt vor dem Leben und das Wissen, dass dieses aus bedingungsloser LIEBE hervorgeht.

Es ist mir bewusst, dass im ersten Teil so etwas wie Kompromisslosigkeit mitschwingt, was vielleicht abstösst. Es war und ist mir offensichtlich ein Bedürfnis darauf hinzuweisen, dass der Ausschluss jener uns übersteigenden Weisheit, welche die Schwingung der Heiligkeit enthält, uns von uns selber trennt und das Wachsen des Lebens behindert. Diese Schwingung hält alles zusammen und ohne sie, verliert sich, atomisiert sich die Menschheit.

Ich glaube nicht daran, dass eine tiefgreifende Wandlung der Gesellschaft mit bloss kognitiven und technischen Mitteln möglich ist. Auch nicht mit Hilfe künstlicher Intelligenz, Robotik und Biotechnologie. Die Welt ist kein planbares Objekt.
Nein.
Der sich seinem Zentrum verschliessende Mensch verfällt zunehmend der Illusion, selbstherrlich die Welt und sich umgestalten zu können.
Eine reifere, weisere und menschlichere Gesellschaft ist nicht herzustellen, ist nicht zu machen. Auch mit den besten und kühnsten Idealen und Plänen nicht.
Nein.

Forcierter Eigen-Wille trennt. Hybris trennt – so hoch und imposant wir unsere Türme auch bauen.

Die Verachtung des Unfertigen und Gebrechlichen schwächt den Menschen. Das zeigt uns u.a. der Faschismus.

Die Zeit, wo wir noch glaubten, durch Reformen und Renovationen die Welt zum Besseren lenken zu können, scheint mir vorbei gegangen zu sein. Ich glaube, dass wir die Zeit, die uns gegeben wurde, verbraucht und verschlafen haben.
Die Zerrüttung ist nicht aufzuhalten.

The great reset (Das Thema des baldigen WEF und gleichzeitig der Buch-Titel von Klaus Schwab’s neuem Buch), der Neu-Start zu einer neuen, besseren Welt-Ordnung, ist mit Geld, Intelligenz und Planspielen nicht zu haben.
Nein.

Letztlich ist eine durch Manipulationen und Überwachungen, durch künstliche Intelligenz und Automatisation konstruierte «bessere» Welt für mich eine Illusion.

Die Metamorphose ist notwendig, weil die Systeme morsch geworden sind – aber nicht so.

*****

Bei Ausschluss des Numinosen gibt es keine wirkliche und nachhaltige Entwicklung.
Ohne Gott keinen Menschen, keine Entwicklung, kein Leben. Ohne Geist und ohne Seele: Zerfall.
Der Mensch lebt einerseits in der zeit-räumlichen Welt der vorübergehenden Formen der Erscheinungen. Diese relative Welt ist sterblich. Hier ist ein Kommen und Gehen, ein Werden und Vergehen. Und gleichzeitig sind wir im Unvergänglichen verwurzelt. In der Stille des Seins. Diese beiden Seiten bilden eine Ganzheit, bilden den ganzen Menschen. Dieser spürt, weiss, dass in allen Dingen der Geist ist. In traditioneller Sprache: Gott wohnt in allen Dingen. Er ist in allem anwesend. Alles ist vom Geist durchatmet. Dieses Wissen bildet die Grundlage der schöpferischen Potenz des Menschen. Wer die geistige Grundlage verleugnet oder abwertet ist nur halb inkarniert, hat sein Haus auf Sand gebaut.
Nun gibt es eine Macht-Elite, die eine Welt zu prägen gedenkt, die einseitig auf der materiellen Ideologie der rationalen Machbarkeit basiert. Wir sollten sie nicht verdammen, aber auch nicht zu Tische bitten. Nicht sie sollte uns den Wein einschenken.

Wir können nicht auseinanderreissen, was zusammengehört.

*****

Die Metamorphose ist ein Geschehen der Liebe, also nichts, was gemacht werden kann.

Die Blüte, wie wunderbar! Noch vor kurzen war sie eine Knospe.
Das Aufgehen der Knospe und das Hervorgehen der Blüte … was für ein Wunder. Ein wundersames, numinoses Geschehen.

Wir können uns der Metamorphose, ob individuell oder kollektiv nur hingeben. Sie herstellen zu wollen wäre naiv. Sie ist ein göttliches Geschehen, dem wir uns zur Verfügung stellen dürfen, dem wir dienen dürfen – in Demut.
Demütige Schöpfung – sanfte Freude eines Geschehens, dem wir zustimmen.

Wenn wir zustimmen, uns der Metamorphose zur Verfügung zu stellen, kann das vielleicht zu unserem Tode führen, der uns in eine neue sensiblere Leiblichkeit führt.

In Verbundenheit und im Fühlen der Einheit des Geschaffenen geschieht die neue Schöpfung, die neue Menschheitsphase, die am Horizont aufgetaucht ist.

*****

Indem sich der Mensch öffnet, verwandelt er sich. Wie die sich öffnende Knospe, die dadurch zur Blüte wird.

Der Mensch erblüht dadurch, dass er sich vertrauensvoll öffnet.
Dass es so einfach geht, ist vielleicht für Viele ein Ärgernis. Wir haben doch gelernt, dass alles grosser Anstrengung bedarf. Insbesondere die Umwandlung in ein Höheres. Wenn wir etwas durch grosse Anstrengung erworben haben, ist es gemäss unserer Erziehung wertvoller, als wenn wir es geschenkt bekommen haben. «Selbst» ist der Mann, so heisst es doch. Verachten wir vielleicht Hingabe? Ist sie uns zu weiblich? Wir wollen doch sicher sein, dass wir genau das bekommen, was wir angestrebt haben. Das «Geschehen-lassen» verunsichert uns.

Es denjenigen gütigen Kräften zu überlassen, die sich unserer Kontrolle entziehen, ist wahres Vertrauen, echte Hingabe. Diese Qualität macht uns zu Menschen.

Das Leben, die Gnade, die schöpferische Kraft fliesst in das sich öffnende Herz.
Das sich öffnende Herz ist der Beginn der menschlichen Metamorphose.

Das Herz, das sich öffnet (und damit auch das Auge des Herzens) und die Wandlung des Menschen sind eines.

Das offene Herz ist die vollendete Metamorphose, der vollendete tiefgreifende Wandel des Menschen und der Menschheit. Die Geburt des Kindes, das seine Augen öffnet.

Indem sich das Herz öffnet, geschieht die Metamorphose im Einklang mit der göttlichen Quelle allen Seins.

Ja, im Einklang.

 

Ein Funke reinen Lebens

«Die unverfälschte Substanz unseres Wesens ist Liebe. Wir sind ontologisch Liebe. Und auch Gott ist wie ein einziger Liebesschrei, eine unendliche Leidenschaft und ein unendlicher Durst nach Liebe. Unsere einzige Daseinsberechtigung ist diese Liebe.»
Ernesto Cardenal

Je länger ich mein Interesse auf meine Seele richte und mich auf ihren Kern, den Seelen-Kern, konzentriere, desto deutlicher kristallisiert sich mir das menschliche Wesen heraus in seiner Würde, Grossartigkeit und unendlicher Weite.

Unser wahres Wesen, welches gleichsam unter der aussen gerichteten Persönlichkeit, halb verborgen, existiert, ist reines Leben, aus Liebe hervorgehend – und diese Liebe drückt sich in einer Schönheit aus, die unsere äusseren Augen nicht wahrnehmen kann. Diese Tatsache zu erleben, wirft uns aus dem Rahmen, den wir uns ausgesucht haben, in eine Ekstase ausserhalb dieses Rahmens und in ein Entzücken, das der Verstand weder auffassen, noch wiedergeben kann. Hier ist alles belebt bis in jeden Winkel unserer Person. Es ist flammendes Sein in Freude und Begeisterung.

Unser Wesen ist in Ausdehnung begriffen. Sein «Flug» führt uns durch unzählige Dimensionen des Seins bis hin zum grossen Geheimnis des Nicht-Wissens.

So etwa, ganz in Kürze, sei meine Erfahrung angetönt, für die ich mehr als gerne lebe.

Im Gegensatz dazu fühlt sich mein Alltags-Ich, welches klein ist und meine kleine Persönlichkeit widerspiegelt, flach an, bestimmt von eingewöhnten Mechanismen und Gewohnheiten, aber auch von äussern Reizen und engen gesellschaftlichen Konventionen und Strukturen.

Ich vermute, dass die Menschheit als Ganzes, Ausnahmen bestehen natürlich, ermattet ist. Sie ist aus der Einheit gefallen in ein tiefes, erniedrigtes Bewusstsein, in einen Zustand der Selbst-Vergessenheit und der Selbst-Verlorenheit. Es gibt ja sehr viele Menschen, die sagen: «Ich funktioniere nur noch, lebe nicht wirklich. Ich bin erschöpft.» Diese viel gehörte Aussage zeigt deutlich das verflachte, ermattete, maschinenartige Lebensgefühl zahlreicher Menschen an. Und alle wissen, dass Zerstreuung höchstens kurzfristig dagegen hilft. Jetzt, während der Kontaktarmut in der Corona-Krise verbreitet sich dieses sub-depressive Lebensgefühl hinter Mauern von Anpassung und Ängstlichkeit.

Viele Menschen kennen diesen Zwiespalt zwischen dem grossen, erwachten, strahlenden Selbst und ihrem abgeflachten Dasein, welches sich in den eigenen Schatten eingehüllt hat, um sich vor dem Licht zu verstecken, dass ja tief innen so ersehnt wird.

Der himmlische Mensch lebt im Exil.
Es ist von Gutem diese beiden Lebens-Wirklichkeit als Tatsache anzuerkennen und keine dieser geschilderten Anteile weg zu reden oder zu verdrängen.
Spirituelle Kraft heisst auch, diese Zweiseitigkeit, diesen harten Kontrast auszuhalten, wie auch das Leiden, welches dadurch erzeugt wird.
Dadurch wird es möglich eine Brücke zu bauen, zwischen diesen beiden Welten, wobei einzuwenden wäre, dass es nur eine übergreifende Wirklichkeit gibt: Die leuchtende, göttliche (absolute) Wirklichkeit bedingungsloser Liebe, während die Schattenwelt (die relative Welt) deshalb existiert, weil wir uns selbst vor dem Licht stehen, bedingt durch alle unsere Ängste und Verletzungen in dieser manchmal recht harten und grausamen Welt. Deshalb ist es nicht nötig, uns Vorwürfe zu machen, wenn wir oft lichtscheu durch die Welt gehen.

Was aber hilf, ist Verständnis.

Gelingt uns der Brückenbau, dann wird es uns möglich sein, Licht über die Brücke zu «tragen», von der lichten Seite her in die verdunkelte Nacht-Seite, ins Exil.

Wie aber finden wir Boden in der Wirklichkeit unserer Wesenheit, mit anderen Worten, wie vertiefen wir unsere Beziehung zum inneren Menschen, der erkannt werden möchte?

Wer schon einmal in den Raum des wahren inneren Menschen (unserem wahren Wesen) hat blicken dürfen, wird diese Ein-Sicht nie mehr vergessen, wird den Glanz dieses Raumes verinnerlicht haben und sein Sehnen, in diesen Raum ganz eintreten zu können, bleibt in der Regel erhalten. Unsere Seele, ein Speicher des Wissens, lässt sich befragen, in welcher Weise es uns möglich ist, unsere «Heimatland» zu betreten. Sie wird uns auf den Weg, zu uns selbst weisen, wenn wir gelernt haben, unseren inneren Meister, unsere innere Meisterin nach unserem Weg zu befragen. Viele alte Weisheits-Traditionen stehen uns zusätzlich zur Verfügung. Sie weisen uns auf bewährte Eckpunkte des höheren Wissens hin, die uns zusätzlich helfen, den Weg nach innen zu unserer Wesenheit zu finden.

Jedenfalls braucht es eine spirituelle Alltags-Praxis, die uns hilft, uns dem Sog unserer Ego-Dominanz zu entziehen und uns auf das innere, göttliche Licht auszurichten.

Für mich jedenfalls ist die Hingabe an das, was jenseits dessen ist, was ich im Griff zu haben meine, von grosser Bedeutung, das Interesse an all den Dimensionen, die ausserhalb meines abgegrenzten Rahmens mir zu lächeln. Ich habe auch gelernt, jene inneren Erfahrungen, die mich ausweiten und beglücken, ernst zu nehmen, sie zu schätzen und nicht abzuwerten.

Würde ich mich nur an die Gegebenheiten meiner konditionierten Persönlichkeit halten und an die entsprechenden gesellschaftlichen Gegebenheiten und Normen -oh du meine Güte! – wie schrecklich langweilig und bedrückend ist diese Vorstellung. – Seit langer Zeit fühle ich Gewissheit darüber, dass diese Welt der Erlösung und Bewusstwerdung bedarf, weil sie der Erschöpfung nahe ist, durch die Ausbeutung durch uns Menschen. Und wir beuten ersatzhaft uns selbst und die Erde aus, weil wir die Beziehung zu unserem wahren Seelen-Wesen, dem inneren Lichtmenschen vernachlässigt haben und dadurch unterernährt sind.

Wenn ich vom Lichtmenschen spreche, dann meine ich das exakt im Wortsinn. Wer geduldig in seinem Leben regelmässig nach innen geschaut hat, über Jahre hinweg, wird vielleicht ab und zu die Quelle des Lichtes in sich erspürt und gesehen haben – oder doch ein Funke reinen Lebens.

Ein Funke reinen Lebens kann genügen, um unser Leben von Herzen zu leben.

 

Der fragile Mensch

«Die Rükkehr zum Anfang wird immer feiner –
Zärtlichkeit über der Quelle.
Netze deine Stirn über dem Wasser.»

Aus einem Gedicht von WB

Ich erlebe den Menschen als verletzt und verletzlich. Er ist eine physiologische Früh-Geburt. Nach seiner körperlichen Geburt, ist er, im Gegensatz zu den Tieren, nicht fähig zu stehen und zu gehen. Er lebt während seiner Säuglingszeit in einem sozialen Uterus. Er muss nun möglichst oft am Körper getragen werden, braucht unendlich viel Nähe und Zärtlichkeit, körperliche und emotionale Wärme und Aufmerksamkeit, damit er Ur-Geborgenheit tanken und sich in späteren Jahren gut entwickeln kann. Er benötigt etwa zwanzig Jahre, bis er als selbstständig gelten kann und in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen – eine lange Zeit, etwa eine Viertel seiner Lebenszeit. Schon kürzere Trennungen (ein paar Tage) zwischen Eltern und Kind verursachen im Kleinkind-Alter seelischen Trennungsschmerz, der nicht leicht verarbeitet werden kann.

Der Mensch ist ein überaus komplexes, differenziertes, hoch entwickeltes Wesen, bewusstseinsfähig, feinfühlig, welches, vor allem in der Kindheit, einfühlsam begleitet sein will, damit es Wurzeln bilden und sich erden kann.

So fein der Mensch auch ist, er ist auch irritierbar, verführbar und ablenkbar. Seit Jahrhunderten wird er in eine Welt geboren, die fast pausenlos durch Kriege zerrüttet wird, in einer Welt, in der sehr Viele an Hunger leiden oder auf der Flucht verelenden.

Der Mensch ist im Allgemeinen traumatisiert und brutalisiert durch unzählige verletzende und grausame Eingriffe in seine Integrität. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind, gesellschaftlich gesehen, primär das Patriarchat, welches für die Unterdrückung der Frau und des Weiblichen verantwortlich ist und seit ca. zweihundert Jahren der immer rücksichtsloser funktionierende Kapitalismus, welcher die Rendite über das Menschenwohl stellt.

Der Mensch, der dazu neigt, sich mit dem Angreifer zu identifizieren, verinnerlichte die Härte, mit der er behandelt wurde und schuf somit eine Welt, die ihn selbst bedrohte. Da er Nähe oft als gefährlich erlebte, baute er Abwehrmechanismen gegen Nähe, Liebe und Zärtlichkeit auf und schuf sich eine kühle und funktionale Welt, die ihn selbst zum Frieren brachte – und bringt.
Eine Welt, die seiner zarten Wesenheit widerspricht!

Der Wärmebedürftige friert nun. Der Zartfühlende baut sich Türme aus Stahl und Beton, um sich darin einzuschliessen.

Die menschliche Gesellschaft ist krank geworden. Ihre Welt ist materiell, funktional. Die Menschen verordnen einander Distanz. Sie gehen auch in Distanz zu ihrer Seele, wodurch ihre physische Existenz, nun entseelt, auszudorren droht. Die Menschheit hat ihre Medizin verloren und vergessen. Seine Medizin trägt der Mensch in sich, zum Beispiel im Atem, in seiner Stimme, in seiner Fähigkeit, sich durch Bewegungen (Tanz) auszudrücken, und in seiner Empathie-Fähigkeit).
Weil er die Beziehung zu seiner Medizin teilweise vergessen und vernachlässigt hat, sucht er sie im aussen, etwa in pharmazeutischen Produkten.

Wir Menschen brauchen eine Kultur der Zärtlichkeit. Wir sind auf Zärtlichkeit aufgebaut. Sie ist unser Fundament. Wir sind Kinder des Zärtlichen. Zärtlichkeit ist unser Fluidum, der Duft, der uns stärkt, der unserer wahren Wesenheit entspricht. Das Aussen korrespondiere mit dem Innen. Oder: wie innen so auch aussen.

Wir brauchen eine Kultur des Zuhörens, wo einer dem Anderen zuhört und Anteil nimmt.
Eine Kultur auch, wo Menschen auf die Sprache der Natur und Mutter Erde lauschen.

Wir haben, um uns zu finden, zu lernen, auf unser Herz zu hören und das Gehörte umzusetzen. Dazu gehört es, uns auch von Konventionen zu befreien.

Nur so finden wir zu einem Miteinander.

Der Zuhörende ist unter uns. Es gibt ein Hörendes und Anteil-nehmendes in allem, was ist.

Hier ein Gedicht* von mir:

„Seine leise Gestalt

Jetzt ist der Hörende mitten unter uns
und wir fühlen seine flammenden Schatten,
die sein Vorbeigehen werfen,
die unsere Stirne kühlen
im Branden neuer Sternenwelten.

Nun tritt aus dem Kosmos lächelnd
seine leise Gestalt,
Sterne küssen seine Füsse.

Und wir sehen,
wenn der Sternenmantel sachte fällt
und wir die Augen schliessen,
sehen, was kein Auge je gesehen hat,
hören, was kein Ohr bisher vernahm,
fühlen, was sich unsere Seele
seit je ersehnte.»

 

*Werner Binder: Der Quelle zu, SEBIL-Verlag 2013.
bei mir zu bestellen. Fr. 10.–